Extinction Rebellion – Innenansicht einer globalen sozialpolitischen Bewegungsgesellschaft

Geschrieben von Tino Pfaff am 02.05.2020

Extinction Rebellion[1] ist eine offene, dezentrale und internationale sozialpolitische Bewegung[2]. Mittels gewaltfreien Zivilen Ungehorsams macht sie auf den drohenden sozial-ökologischen Kollaps[3][4] (Zusammenbruch von Öko- und Gesellschaftssystem) aufmerksam und fordert einen tiefgreifenden sozial-ökologischen Systemwandel durch bürgerliche Mitbestimmung.


XR („Aufstand gegen das Aussterben“) kritisiert die mangelnde Entschlossenheit der Regierung, die Lebensgrundlagen der Menschen und Tiere in Gegenwart und Zukunft zu schützen. Die menschengemachte Klimaerwärmung und Naturzerstörung unterliegt einem wissenschaftlichen Konsens von 99,9%.[5] Diesem Konsens hat sich die Bewegung verschrieben. Die Forderungen sowie Aktionen, künstlerische Darstellungen und Texte, die im Namen der Bewegung stattfinden oder erstellt werden, orientieren sich ganz pragmatisch an den klimawissenschaftlichen Fakten.

Am ehesten lässt sich die Bewegung als radikaldemokratisch (von lat. radix = die Wurzel betreffend und Demokratie)[6] bezeichnen. Dies bedeutet nicht mehr als dass der Volkssouverän die Basis der Demokratie ist. Der ungezügelte Einfluss der Wirtschaftslobby und des Finanzmarktes werden kritisiert und abgelehnt. Mit der Forderung zur Einberufung einer Bürger:innenversammlung wird dem derzeitigen demokratischen System, welches als repräsentative Demokratie mit oligarchischen[7] Tendenzen bezeichnet werden kann, Unterstützung durch die Form der Bürger:innenbeteiligung angeboten. Die Bürger:innenversammlung ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Die Bedrohung durch den globalen sozial-ökologischen Kollaps verlangt entschiedenes, rasantes und sozialverträgliches Handeln. Dieser Aufgabe ist die Regierung, insbesondere durch ihre Abhängigkeitsverhältnisse, nicht gewachsen.

Die Bewegung organisiert sich durch ein holo- und soziokratisches[8] System. Dies ist u.a. durch den Versuch geprägt, auf Basis von Selbstverwaltung, Transparenz, führungslosen Strukturen, niederschwelligen Beteiligungsmöglichkeiten, einer Kommunikation der Gewaltfreiheit und einem festen Regelwerk (3 Forderungen[9] und 10 Prinzipien[10]), zusammenzuarbeiten. Das Arbeiten in Orts-, Arbeits- und Projektgruppen baut auf einer Vertrauensbasis auf. Die Rebell:innen sind bestrebt, einander zu vertrauen und versuchen sich von präventiven Misstrauens-Strukturen zu lösen. Diese und andere toxische Verhaltensweisen wurden uns in unserer leistungs- und wachstumsorientierten Gesellschaft von Kind auf angelernt.

Zur Bearbeitung von Themen und Inhalten können von allen Mitgliedern mandatierte Arbeits- oder Projektgruppen gegründet werden. Wer also Teil der Bewegung sein will und/oder an der Mitarbeit einer AG oder PG interessiert ist, kann dies jederzeit tun. Entscheidungen die die ganze Bewegung betreffen, durchlaufen einen Prozess des Systemischen Konsensierens[11]. Für das Mitwirken in der Bewegung ist die Anerkennung der Prinzipien Voraussetzung. Aus ihnen gehen die Orientierungen für ein solidarisches und würdevolles Miteinander hervor. Diskriminierung und menschenverachtende Ideologien haben in der Bewegung keinen Platz. Auch toxische Verhaltensweisen - wie gewaltvolle Kommunikation oder patriarchales Auftreten - sind nicht mit den Prinzipien vereinbar.


Bürger:innen rein, Lobby raus aus dem Bundestag

„Die Rebellion will nicht erziehen, sie will nicht bevormunden und sie will gewiss keine fertigen Lösungsvorschläge vorlegen.“[12]

Unter dem Motto „Politik neu leben“ fordert XR Deutschland die Regierung dazu auf, eine Bürger:innenversammlung einzuberufen. Diese soll die Regierung dabei unterstützen, den sozial-ökologischen Kollaps zu verhindern.

Bürger:innenversammlungen[13] oder Bürger:innenräte haben eine lange Tradition und erleben seit einiger Zeit ein neues Aufleben[14]. In Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Polen, Schottland, Spanien und dem Vereinigten Königreich gibt es sie bereits. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Auch in Deutschland gab es schon ein Probeverfahren durch den „Bürgerrat Demokratie“[15], welches innerhalb der Bundesregierung reges Interesse[16] erregt hat.

Eine geteilte Erfahrung ist von grundlegender Bedeutung: Wenn Menschen Verantwortung übertragen bekommen, dann übernehmen sie diese auch gewissenhaft. Mittels ausgewogenen Informationsgrundlagen zum jeweiligen Sachverhalt sind wir Menschen - auch ohne eine langjährige politische Karriere - in der Lage, die für die Gesellschaft und unsere Mitmenschen zuträglichen Entscheidungen zu treffen.

In den meisten der 77 Ländern, in denen die Extinction Rebellion weltweit vertreten ist, wird die Einberufung dieser repräsentativen Bürger:innenversammlung gefordert. Dies ermöglicht es uns Bürger*innen, an Empfehlungen für klimarelevante Problematiken von öffentlichen Belangen mitzuarbeiten. Durch ein quotiertes Losverfahren werden Menschen nach unterschiedlichen Merkmalen (z.B. Geschlecht, Alter, Herkunft, Bildungsniveau) für die Versammlung ausgewählt. So wird gewährleistet, dass alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind.


Politiker:innen benötigen Unterstützung

Allem voran stellen die Wiederwahlambitionen und die Beeinflussung durch Lobbyverbände[17] ein großes Hemmnis für viele Politiker:innen dar, ambitionierte Klimapolitik zu betreiben. Es ist kein Geheimnis, dass Lobbyverbände, allem voran die Wirtschafts-, Gas-, Öl-, Kohle-, Versicherungs- und Autolobby, den Bundestag förmlich besetzen. Von den ca. 6000 Lobbyist:innen[18],, die im Bundestag ein- und aus gehen, haben nicht wenige rein wirtschaftliche Interessen und blockieren wichtige klima- und sozialrelevante Entscheidungen. Über 600 Verbände (z.B. E.ON, EnBW, Lufthansa, Metro, Rheinmetall, RWE und ThyssenKrupp) besitzen gar einen Hausausweis und bewegen sich im Bundestag, wie es ihnen beliebt.[19]

Für die Erleichterung gibt es hier und da gerne mal ein paar Gehaltschecks[20] oder auch ein Jobangebot[21] für Politiker:innen. Aber auch in andere Bereiche ist der Wirtschaftslobbyismus eingedrungen. Als sogenannte 5. Gewalt[22] beeinflussen Lobbyverbände nahezu jeden Bereich in unserer Gesellschaft. Auch vor Kindern und Jugendlichen machen sie nicht halt.[23]

Die jüngsten Beispiele sind das Aufkündigen[24] des hart erarbeiteten Kohlekompromisses auf Druck der „Wachstumslobby“ oder die Zerschlagung[25] der Windkraftenergiebranche durch das Institut Neue Soziale Marktwirtschaft[26] (INSM). Dadurch verloren innerhalb von 3 Jahren 40.000 Mitbürger:innen ihre Arbeitsplätze.[27] Das ist fast das 4-fache der Arbeitsplätze der Kohleindustrie. Die INSM ist ein marktradikaler Lobbyverband, der sich als Feind von Fridays For Future versteht und dessen Interessen einzig dem Wachstum und dem Profit dienen.[28]

Fakt ist: Eine wachstumsbasierte sowie Natur und Menschenleben zerstörende Wirtschaft hat die Menschheit in diese bedrohliche Situation gebracht. Eine Politik, die nicht fähig oder gewillt ist, sich aus diesen Abhängigkeiten zu lösen, muss unter Druck gesetzt werden. Gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten und sozial- sowie klimaverträgliche Maßnahmen fordern. Nie war die Veränderung der Wirtschaft so nötig und gleichzeitig so möglich wie jetzt in der Zeit der Coronapandemie. Wir brauchen einen wirkungsvollen und sozialverträglichen Green New Deal[29] für Deutschland, Europa und die Welt. Beginnen muss dies mit einen sozialverträglichen Klimarettungsschirm[30], der jetzt vorbereitet und nach der Coronapandemie sofort umgesetzt wird.


Warum setzt XR auf die Gewaltfreiheit?

Das 9. Prinzip: „Wir sind ein gewaltfreies Netzwerk. Wir nutzen gewaltfreie Strategien und Methoden als effektivstes Mittel, um Veränderungen herbeizuführen.“[31],

Mohandas Gandhi[32] mit dem Salzmarsch[33], Rosa Parks[34] und Martin Luther King[35] mit dem Montgomery Bus Boycott[36] oder auch die Antiatombewegung[37] - sie und viele Millionen Weitere sind Teile einer langen Geschichte des gewaltfreien zivilen Ungehorsams. Menschen wie ihnen sind die sozialen Errungenschaften zu verdanken, die wir heute als selbstverständliche erachten. Ereignisse wie diese haben bewiesen, dass Ziviler Ungehorsam ein wirksames Mittel ist, durch die eine Gesellschaft, und umso mehr marginalisierte Gruppen und Minderheiten, auf bestehendes Unrecht aufmerksam machen können. So ist diese Form der demokratischen Teilhabe nicht nur Teil des legalen Rechts auf Meinungsäußerung, sondern gehört gar zu den Pflichten der Bürger:innen.

Ziviler Ungehorsam ist ein historisch gewachsenes und fortwährendes Instrument direkter bzw. partizipativer Demokratie. In Artikel 20 Abs. 3 des Grundgesetzes steht, dass die Gesetzgebung eine verfassungsmäßige Ordnung ist. Wenn diese verletzt wird, sind die Bürger:innen, nach Artikel 20 Abs. 4, dazu berechtigt, Abhilfe durch Widerstand zu leisten.[38] Nach Artikel 20a[39] hat sich die Regierung dazu verpflichtet, die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu schützen. Dies tut sie nachweislich nicht. Das Widerstandsrecht in Form von gewaltfreiem zivilem Ungehorsam ist somit eine legitimes Mittel, um den Fortbestand der menschlichen Zivilisation zu bewahren. Mehr dazu hier: https://www.reclam.de/detail/978-3-15-019446-1/Ziviler_Ungehorsam

Tragendes Fundament ist die Wahrung der Würde, welche durch das Einhalten der Gewaltfreiheit gewährleistet wird. Bei XR besteht der Konsens, dass die absolute physische und seelische Unversehrtheit aller Menschen, Bedingung für unser Handeln sind.

Tatsächlich ist dies in der deutschen Klima(gerechtigkeits)bewegung nichts Besonderes. Ob Ende Gelände mit ihrem gewaltfreien Zivilen Ungehorsam in den Kohlegruben, Fridays For Future mit ihren Schulstreiks oder die zahlreichen anderen Gruppen. Diese Form des gesellschaftlichen Widerstandes ist längst wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Extinction Rebellion versteht sich einerseits als Alarm, der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den drohenden sozial-ökologischen Kollaps und die Missstände in der Welt lenkt. Andererseits geht es um mehr als „nur“ drei Forderungen. Ein neuartiger Umgang und ein solidarisches, nachhaltiges und regeneratives Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft sind ein grundlegendes Anliegen der Bewegung.

Doch nicht in allen Ländern der Welt, haben die Menschen das Privileg, ihr demokratisches Recht auf Widerstand gewaltfrei auszuüben. In autoritären Staaten gibt es diese Grundrechte mitunter gar nicht. Wir sollten uns also stets bewusst sein, in welch privilegierter Situation wir uns befinden.


Wer macht denn da so alles mit?

Extinction Rebellion ist eine Bewegung des breiten gesellschaftlichen Spektrums. Die Menschen in der Bewegung, die sich gerne als Rebell:innen bezeichnen, sind sehr verschieden, sowohl in ihren Weltanschauungen als auch in ihren Lebensgeschichten. Bei XR sind laut einer Umfrage[40] etwa 55% der Rebell*innen mittleren Alters (29-58 Jahre) und knapp 10% Menschen ab 59 Jahre. Dies ist neu und darin unterscheidet sich die Bewegung von anderen. Es ist längst nicht mehr nur die Jugend, die auf die Straßen geht. Bei Extinction Rebellion Deutschland wirkt eine breite demografische Mitte der Gesellschaft.

Die Diversität[41] jedoch ist in der deutschen Klima(gerechtigkeits)bewegung ein zweischneidiges Schwert. Bei XR steht es um sie ebenso bescheiden wie bei anderen Klima(gerechtigkeits)bewegungen. Nach wie vor klafft ein Loch zwischen den Anliegen der Gruppen und deren Zusammensetzung. Wird für (Klima-)Gerechtigkeit, Solidarität und gerechte Umverteilung sowie gegen jegliche Form der Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit eingestanden, sind die Gruppen doch mehrheitlich „weiß“, jung und akademisch. Der genannten Umfrage ist zu entnehmen, dass etwa 97% der Rebell:innen in Deutschland geboren sind. Da der Fragebogen nur auf deutsch erschien und intern geteilt wurde, ist das Ergebnis womöglich ein wenig abweichend. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Menschen mit direktem Migrations- oder mit Fluchthintergrund deutlich unterrepräsentiert sind.

Gleichzeitig muss uns als sozialer Bewegungen auch bewusst sein, was es heißt, für Verhaftungen bereit zu sein. In Anbetracht der vielfach gesehenen rassistischen Polizeigewalt gegenüber BIPOCs ist dies ein Punkt, der weiterhin in XR und anderen sozialen Bewegungen reflektiert werden muss. Es ist wichtig, zu zeigen, dass Menschen unterschiedliche Privilegien genießen, und gleichzeitig ist es wichtig, diese Privilegien für die gute Sache auszunutzen.

Auch die Rolle von gesellschaftlichen „Klassen“[42] ist ein Aspekt, der in der Bewegung weiter reflektiert wird. Obwohl sich auch viele Arbeiter:innen bei XR engagieren, ist es dennoch ein Privileg, sich für Klimaschutz auf die Straße setzen zu können und nicht darum kämpfen zu müssen, die Miete für den nächsten Monat zu bezahlen.

Von der Ärztin und dem Soziologen, über die Grundschullehrerin und dem Arbeitslosen, bis hin zum Studenten und der Psychotherapeutin - Extinction Rebellion hat viele Gesichter. Ob Atheist, Agnostikerin, Muslim, Jüdin, Linker, Liberale, Humanist oder Sozialdemokratin, in der Bewegung sind alle willkommen.[43] Wie es sich für eine offene Gesellschaft gehört ist auch bei Extinction Rebellion kein Platz für Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.

So verschieden ist es dann auch mit den Meinungen, aktivistischen (Vor-)Erfahrungen oder dem biografischen Hintergrund. Extinction Rebellion ist nicht als perfekte Bewegung aus der Zauberkiste entstanden. Welche Bewegung ist das schon? Für viele der Rebell:innen ist der (Klima-)Aktivismus eine neue Erfahrung. Es ist beachtlich, was die vielen Neulinge in wenigen Monaten, Wochen und manchmal auch Tagen auf die Beine gestellt haben. Vom „gewöhnlichen“ Alltag sind sie in ein kontroverses Leben eingetaucht, dessen gesellschaftliche Anerkennung noch Steigerungspotential hat. Schade eigentlich, was ist angesichts des drohenden sozial-ökologischen Kollaps‘ schon „gewöhnlicher“ als Menschen, die sich für das Überleben von Mensch, Tieren und Natur einsetzen?

Viele Menschen lernen den Zusammenhang zwischen unserem Wirtschaftssystem und dem drohenden sozial-ökologischen Kollaps nicht in der Schule. Wir dürfen dieses Wissen als Bewegung nicht voraussetzen, sondern gemeinsam erarbeiten. Auf der Basis von solidarischer, konstruktiver Kritik wächst gerade eine Klimagerechtigkeitsbewegung, die ein starkes Bündnis von den verschiedensten Menschen darstellt.

Für einen rasanten Wandel braucht es viele Menschen die der Politik zeigen, dass wir als Gesellschaft die Tatenlosigkeit nicht weiter tolerieren. Die Zeit rennt und ist schon jetzt ein rares Gut. Zu erwarten, dass von Beginn an alle Rebell:innen in allen Bereichen ein ausgeprägtes Wissen innehaben, ist unrealistisch. Sind wir letztlich alle in einem patriarchalen[44] System aufgewachsen, dessen Bildungssystem lediglich dafür vorbereitet, Fertigkeiten zu erlangen und Leistung in einem Leistungssystem zu erbringen. Politische Bildung ist ebenso vernachlässigt wie die Entfaltung der Persönlichkeit.

Extinction Rebellion lädt durch niedrige Hürden zum Mitmachen ein, in dem sie keine hohen oder spezifischen Ansprüche zur Teilnahme auferlegt. Die Rebell:innen müssen über kein Szenevokabular verfügen, um akzeptiert zu werden. Gleichzeitig bietet sich durch die Kontaktmöglichkeiten zu anderen Personen mit diversen biografischen und weltanschaulichen Hintergründen die Möglichkeit, sich politisch und persönlich weiterzuentwickeln.

Die Rebellion lässt sich letztlich, nach Prinzip 5[45], als inklusives und niederschwelliges Projekt in dauerhafter Reflexion und Weiterentwicklung bezeichnen. Menschen die mitmachen wollen, müssen zuvor keine tiefer gehende politische Bildung durchlaufen. Wer mitmacht, hat augenscheinlich verstanden wie kritisch es um unsere Zukunft steht und erkennt an, sich zu informieren sowie sich politisch und persönlich fortzubilden und weiterzuentwickeln.


Wie umgehen mit den Prognosen der Klimawissenschaft?

„Ängste und Sorgen angesichts der Klimakrise sind normal und sie sind hilfreich, denn sie liefern die Energie für Veränderung.“[46]

Ebenso wie Fridays For Future spricht Extinction Rebellion die eigene Ängste der Menschen, die Selbstbetroffenheit, an. Jugendliche und junge Menschen haben Angst um ihre Zukunft. Bei XR ist das ebenso. Rebell:innen gehen für und mit ihren (Enkel-)Kindern auf die Straße, Renter:innen nehmen an Sitzblockaden teil oder ketten sich gar an. Die Gesellschaft begehrt auf, und es ist höchste Zeit. Diese Energien für den mutigen Aktionsmus entspringen letztlich der Tatsache, dass Menschen verstanden haben, dass etwas mit der Art und Weise, wir leben und mit der Natur und unseren Mitmenschen umgehen, nicht stimmt. Dieses Verstehen der Zusammenhänge und der Dinge, die auf uns zukommen können oder werden, erzeugt Ängste. All diese Ängste sind berechtigt.

Auch die Psycholog:innen For Future[47] thematisieren die Ängste und Sorgen die durch den drohenden sozial-ökologischen Kollaps ausgelöst werden können. Auch sie sind sich einig, dass es wichtig ist, wie wir als Individuen und Gruppen damit umgehen. Die Ratschläge der Expert:innen sind deutlich: Statt die Angst zu verschweigen oder abzulehnen, ist es ratsam, offen damit umzugehen sowie Gleichgesinnte und Hilfe zu suchen. Ebenso wichtig ist jedoch auch, aus der berechtigten Angst keine kopflose und egoistische Panik werden zu lassen.

Auch die Regenerative Kultur von XR widmet sich u.a. dem Umgang mit der Klimaangst. Das 3. Prinzip besagt: „Wir brauchen eine Kultur der Regeneration. Wir schaffen eine Kultur, die gesund, anpassungsfähig und belastbar ist.“ Es geht grundlegend darum, auf unsere Mitmenschen und uns selbst achtzugeben, uns nicht zu viel aufzulasten und uns in Wort und Tat rücksichtsvoll und gewaltfrei zu begegnen. Vor allem geht es aber auch um einen warmen, vorurteilsfreien Umgang, der es ermöglicht, einen bewegungsumspannenden Safe-Space aufzubauen. Menschen die durch Schrecken und Ängste begleitet werden, soll Unterstützung zuteil werden, um ausgesprochen, gemeinsam betrauert und in produktiven Tatendrang umgewandelt werden zu können. Dem Verdrängen und damit allein sein kann so etwas entgegnet werden.

„Hope dies, Action begins“: Aus Handlungen folgt Mut! Aus Zusammenarbeit erfolgt Zuversicht! Die Bewegung und die Solidarität gibt uns die Kraft, jeden Tag der Realität des Klimawandels entgegen zu blicken!


Selbstbetroffenheit und Klimaungerechtigkeit

Klimaangst wird durch die empfundene Selbstbetroffenheit aktiviert. Die Berichte und Prognosen der Klimawissenschaft häufen sich. Die Auswirkungen der Klimaveränderungen und Naturzerstörungen werden auch in Deutschland immer gravierender.[48] Insbesondere in den „deutschen“ Wäldern macht sich die rasante Erderwärmung bemerkbar.[49] Durch Käferfraß, Dürren und Waldbrände sind die Wälder enorm bedroht, der Bund deutscher Forstleute hat 2019 den Klimanotstand für den Wald ausgerufen und warnt vor einem zweiten Waldsterben, nach dem der 1980 Jahre.[50]

Jedoch sind Deutschland oder Europa nicht der Nabel der Welt. Unser Weltgesellschaft ist groß, und in weiten Teile der Erde herrschen schon jetzt katastrophale Zustände.[51]Menschen fliehen vor Naturkatastrophen, Hunger, Verfolgung und Krieg, Menschen sterben, in diesem Moment.

Transnationale Konzerne sowie zahlreiche Länder des globalen Nordens, insbesondere die alten Industriestaaten tragen eine historische und gegenwärtige Verantwortung für die bestehende Klimaungerechtigkeit in der Welt.

Dies bedeutet: Während die Länder des globalen Nordens mehrheitlich in Wohlstand leben, erleiden die Menschen im globalen Süden die Folgen, welche die Kosten unseres ausbeuterischen Wohlstandes sind. Der „Norden“ zerstört, raubt, eignet sich an und behält Ressourcen, Reichtum und Macht für sich. Der „Süden“ erleidet Dürren, Naturkatastrophen, Ernteausfälle, Überschwemmungen und Kriege. Die Mittel, sich dagegen zu wehren haben die Menschen nicht, weil sie der „Norden“ und transnationale Konzerne in einer langen Geschichte[52] von Kolonialismus, Kapitalismus und Industrialisierung an sich gerissen haben. Diese Bedingungen herrschen seit Jahrhunderten, und wirkliche Verbesserungen sind noch immer nicht in Sicht.

Unser Wohlstand basiert in dieser Hinsicht auf strukturellem Umweltrassismus.

Unser Wohlstand ist das Blut des globalen Südens, er ist das Leid von Millionen von Menschen, vor allem von Frauen* und Kindern.

Es ist erdrückend, dass die vielen Warnungen und Erzählungen der letzten 4 Jahrzehnte kaum Gehör bekommen haben. Doch sowohl in Deutschland, wie auch in nahezu allen anderen Ländern der Erde, gehen die Menschen zunehmend auf die Straßen. Die Motivation ist mehrheitlich die Angst vor dem Verlust der eignen Zukunft. Das ist verständlich und mehr als berechtigt, doch das, wovor wir uns fürchten, ist in weiten Teilen der Erde längst Realität. Das dürfen wir nicht ungeachtet lassen, und wir müssen unsere Privilegien und Möglichkeiten nutzen, diejenigen zu schützen, die jetzt schon von den Auswirkungen der klimatisch-ökologischen Katastrophe betroffen sind.

Sowohl Fridays For Futur als auch Extinction Rebellion, als zwei Bewegungen der gesellschaftlichen Mitte, haben in den vergangenen Monaten viel dazugelernt. Dies zeigt sich sowohl in ihren Aktionen als auch in ihren Kampagnen. Klimaungerechtigkeit ist die Grundlage des Problems. Ohne dass die Regierungen sich der Auflösung dieser Ungerechtigkeit widmen, werden wir den sozial-ökologischen Kollaps nicht aufhalten können.

Klimagerechtigkeit ist also die Auflösung von Klimaungerechtigkeit - bedeutet, die Länder des globalen Südens nicht weiter zu unterdrücken und auszubeuten, also die neokolonialen und imperialen Strukturen aufzulösen. Es bedeutet aber auch, angerichteten Schaden zu reparieren, also Ressourcen und Mittel zurückzugeben und Reparationen zu zahlen. Mehr dazu hier: https://www.youtube.com/watch?v=Cnede6NvgIM&t=320s

Was dabei nicht vergessen werden darf: Klimaungerechtigkeit gibt es auch innerhalb von Gesellschaften, eingenommen Deutschland. Bspw. gibt es Millionen Familien, die in Armut leben und hunderttausende Obdachlose, die schon jetzt unter den sich verändernden Bedingungen leiden und zukünftig noch mehr leiden werden. Auch sind Frauen*, Kinder und Minderheiten durch Verschlechterungen der Bedingungen mehr betroffen.

Eine Frage sollten wir uns alle stellen: Wie kann es sein, dass die jahrzehntelangen Berichte und Warnungen uns so kalt gelassen haben und nun, wo es uns an die eigene Wäsche geht, stehen wir auf und protestieren? Ich halte es für ein gesellschaftliches Problem, dessen Ursachen nicht zuletzt auf strukturellem Rassismus beruhen. Die Antworten sollten wir in dem System, in dem wir leben, aber auch in uns selbst suchen. Eine Literaturempfehlung: https://www.unrast-verlag.de/neuerscheinungen/exit-racism2016-12-05-22-25-07-detail, https://open.spotify.com/playlist/5LEn0k5RvJQFAx0P0U7O02?to=

Extinction Rebellion lebt die Klimagerechtigkeit durch die globalen Strukturen. Mehr als ein Drittel der Ländergruppen befindet sich auf der Südhalbkugel, mit steigender Tendenz. Länder des Südens und des Nordens vernetzen sich, bilden Partner:innenschaften und versuchen sich an gemeinsamen Projekten. Ich bin überzeugt: XR global wächst zu einer schlagkräftigen Bewegung heran, die die betroffenen Gruppen zunehmend in den Vordergrund stellen wird, dabei aber nicht vergisst, die Menschen vor Ort immer wieder daran zu erinnern, das auch ihre Zukunft ungewiss ist.

Denn die Selbstbetroffenheit hat nach wie vor das größte Potential, die Menschen aufzuwecken - schade, aber wahr.

Eines liegt allem zu Grunde, ohne jene Erkenntnis erscheint, in der Zusammenschau, alle Bemühung unnütz: „Es geht heute, auch und gerade politisch, darum, dass wir >anders leben< lernen, damit andere Menschen und Kreaturen überhaupt leben können.“[53]


Wir leben in einem toxischen System

XR übt eine Kritik am toxischen System. Eine Kritik an der Art und Weise, wie wir Menschen leben, an einer Kultur des „immer weiter“ und „immer mehr“. Wir alle haben ein gewisses Maß an Verantwortung, manche mehr oder weniger, manche bewusst oder unbewusst.

Dies lässt zwei Schlüsse zu. Erstens sind wir dazu angehalten, Verantwortung anzunehmen und zu übernehmen, dies misst sich am Maß unserer Möglichkeiten. Eine Person alleine kann die Welt nicht verändern, doch als Kollektive können wir Einfluss nehmen, und dafür braucht es die Willensbildung der Einzelnen. Verweigern wir uns kollektiv gewissen Konsumlogiken, können wir Einfluss auf die Produktionsweisen nehmen.

Darin steckt eine essentielle Nachricht: Wir alle sind in gewisser Weise miteinander verbunden und voneinander abhängig. Der Fokus darauf, dass wir alle Verantwortung tragen und anerkennen können, erinnert uns daran, dass große Veränderungen nur gemeinsam gelingen können. Argumente wie „wenn andere nichts ändern, dann brauche ich auch nichts ändern“ werden dadurch in Frage gestellt. Letztlich geht es doch darum, was wir mittragen wollen und was wir verantworten wollen, da ist es zweitrangig, wie sich andere entscheiden. Ebenso macht dies klar, dass wir uns nur selbst im Wege stehen können. Wenn alle etwas ändern müssen, um eine Änderung herbeizuführen, dann werden es nie alle sein, solange ich mich nicht dafür entscheide.

Doch ist dies allein nicht die Lösung. Daher ist es, zweitens, wichtig, genauer auf die Ausprägungen der Verantwortung zu schauen. Diese ergeben sich aus den sozioökonomischen Bedingtheiten, die sehr unterschiedlich sein können. Menschen mit mehr Zugang, Geld und Macht - insbesondere Staaten und (transnationale) Konzerne, die darauf ausgerichtet sind, in ungezügeltem Maße von der Natur und den Mitmenschen zu nehmen – tragen umso mehr Verantwortung. Viele benennen das heutige Wirtschaftssystem als Kapitalismus, manche gar als Neofeudalismus. Meines Erachtens bietet der Begriff des toxischen Systems mehr Blickwinkel und verschleiert nicht die Interdependenz der Verantwortung – ob produzierend oder konsumierend. Durch die Erkenntnis, dass wir alle Teil der Problematik sind, wenn auch sehr unterschiedlich ausgeprägt, eröffnen sich neue Perspektiven, Motivationen und Handlungsspielräume. Wir haben es so nicht mehr nur mit dem Monster Kapitalismus zu tun, welches uns lähmt und unbesiegbar erscheint. Vielmehr können wir so realisieren, dass auch wir Einfluss nehmen können, sei dies durch Konsumverweigerung oder dem urdemokratischen Mittel des Zivilen Ungehorsams. Klar ist, dass die Verantwortung deutliche Asymmetrien aufweist und dass ein Wirtschaftssystem, welches sein endloses Wachstum durch die Zerstörung der Natur und von abermillionen Menschenleben aufrechterhält, uns alle in den Abgrund katapultieren wird.


Wir müssen uns auf das Notwendige konzentrieren – nicht auf das, was vielleicht möglich ist

Laut der 2. Forderung von XR sollen die Treibhausgasemissionen bis 2025 auf Netto-Null reduziert werden. Netto-Null bedeutet, dass alles, was ausgestoßen wird, von der Natur wieder aufgenommen werden kann. Es bedeutet nicht, dass keine Ausstöße mehr stattfinden sollen. Es ist wichtig, dies zu unterscheiden.

2025 richtet sich nach dem Notwendigen! Die Jahreszahl ist ein Ergebnis von Budgetrechnungen, in denen Deutschland – wenn es so weiter macht wie bisher – 2025 alles CO² verbraucht hat, was zur Einhaltung der 1,5°C-Grenze nötig wäre.[54]

Dies wirkt sehr ambitioniert, etwa gegenüber der 2035 von Fridays For Future oder der Orientierung der Bundesregierung sowie der EU die Reduzierung bis 2050 umzusetzen. Tatsächlich ist jedoch selbst die Forderung mittlerweile eine konservative Forderung. Aus aktuellen Studien geht hervor, dass Deutschland – zu einer 2/3-Wahrscheinlichkeit – bereits im Jahr 2023 das 1,5°-Budget aufgebraucht haben wird.[55]

Wir können also davon ausgehen, dass die Einhaltung der 1,5°C längst nicht mehr zu schaffen ist. Dies ist jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Eher im Gegenteil müssen wir jetzt erst recht anpacken und die sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft und unserer Gesellschaft vorantreiben und mitgestalten. Es geht nicht darum, die Veränderungen, die auf uns zukommen, aufzuhalten. Das haben wir bereits vermasselt. Nun geht es darum, einen globalen sozial-ökologischen Kollaps zu verhindern, der nicht nur Ökosysteme sondern auch ganze Gesellschaften ins Wanken bringen kann. Dafür braucht es internationale Zusammenarbeit und ungezügelte Solidarität, nach der die Staaten mit mehr finanziellen und technischen Ressourcen entsprechende Mittel für andere Staaten zur Verfügung stellen. Extremwetterereignisse, Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen, Ernteausfälle sowie Seuchen und Viren machen nicht vor Ländergrenzen halt. Ein Land oder eine Kontinent alleine kann diese Aufgabe nicht bewältigen.

Mit anderen Worten: Die Natur wird sich nicht durch eine Reparatur in den ursprünglichen Zustand bringen lassen. Aber noch können wir sie soweit „reparieren“, dass sie in weiten Teilen intakt bleibt. Das Zeitfenster ist jedoch verdammt eng.


Eine Demokratie ist antifaschistisch!

Eine antifaschistische Haltung ist ein demokratischer Grundkonsens. Die Geschichte hat gezeigt: Wenn Gesellschaften zusammenbrechen, dann folgt nicht selten der Faschismus. Aufrichtige Demokrat:innen und Verteidiger:innen einer freiheitlichen Gesellschaft sind danach ebenso auch Antifaschist:innen. Das sieht auch ein Polizist namens David Maß so. Daran können sich viele Polizist:innen und Politiker:innen ein Beispiel nehmen. Gerade in Zeiten, in denen Menschen in Deutschland auf Grund von rassistischen und antisemitischen Motiven bedroht, verfolgt und ermordet werden.[56] Und in einer Zeit, in der vom Verfassungsschutz vor rechtsradikalen Strukturen in Polizei und Bundeswehr gewarnt wird.[57] Zu beachten ist hierbei, dass die Warnungen für den Verfassungsschutz selbst gelten.[58]

Ein Aufbegehren gegen den drohenden sozial-ökologischen Kollaps ist auch ein Verhindern von Zuständen, die die Gefahr des Faschismus erhöhen. Wenn die Ökosysteme zusammenbrechen und die Naturkatastrophen zunehmen, wird dies unsere Gesellschaft in existenzielle Nöte bringen. Autoritäre und Faschist:innen werden es dann leicht haben, die Verzweiflung der Menschen zu instrumentalisieren.

Antifaschistisch zu sein ist und darf keine Angelegenheit von einzelnen politischen oder gesellschaftlichen Gruppen sein. Eine antifaschistische Grundhaltung ist selbstverständlich für eine lebensbejahende, befreite und solidarische Gesellschaft.

Wer etwa glaubt, nur Menschen des linken Spektrums seien antifaschistisch, die/der unterliegt dem gleichen Irrtum, wie wenn sie/er glaubt, Linkssein sei nur eine Angelegenheit von wenigen. In der sozialen Dimension bedeutet Linkssein gegen und für: Gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit und Ausbeutung. Für Freiheit, Gerechtigkeit, individuelle Gleichberechtigung, Solidarität und Selbstbestimmtheit.

Von Letzterem sind wir in Deutschland, Europa und der Welt weit entfernt. Wir haben definitiv ein wachsendes Faschismusproblem!


Ist XR lern- und entwicklungsfähig?

Der Anspruch des Reflektierens und daraus Lernens ist für die Bewegung essentiell. Die Begebenheiten, Beziehungen, Sachverhalte und Gesellschaften unterliegen einer steten Veränderung. Daher ist es unumgänglich, sich als Individuum, als Gruppe und als Gesellschaft einem steten Reflexionsprozess zu unterziehen und, darin eingebettet, die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen.

Das 5. Prinzip von XR[59] ermöglicht es den unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Biografien und Weltanschauungen, Teil der Bewegung zu sein. Genauso fordert es aber auch, dass sie dazu bereit sind, sich selbst und ihr Handeln zu hinterfragen und gemäß den zehn Prinzipien, sowie im Angesicht der Schaffung einer befreiten, solidarischen, diskriminierungsfreien, global- und generationengerechten sowie einer genügsamen Gesellschaft, entsprechend zu agieren und sich neu zu erfinden.

Die drei Forderungen münden in einer grundlegenden Systemkritik. Sie stellen das derzeitige System in Frage. Unter Anerkennung der Verfassung wird eine Erweiterung des demokratischen Systems gefordert, welche den Menschen endlich den verdienten und selbstverständlichen Zugang zu Entscheidungsprozessen gewährt.

Extinction Rebellion wurde von wenigen gegründet und ist nun eine Bewegung der Vielen, auf der ganzen Welt. Emanzipation von Ursprünglichem gehört zu unseren Lebenszyklen und ebenso zu XR.

XR tritt als eine Bewegung in Erscheinung, die alte Gewohnheiten aufbricht und ungewohnte Methoden anwendet. Dem sollte solidarisch begegnet werden.

Der Anspruch, nicht Links zu sein, ist aufrichtig und wichtig. Wie bereits erwähnt, sollten Themen wie Solidarität, Klimagerechtigkeit, Freiheit, Hierarchielosigkeit und Emanzipation keine Themen partikularer Gruppen sein – und sie sind dies auch nicht. Sie gehen uns alle an. Jenen partikularen Gruppen ist es jedoch zu verdanken, dass diese Themen überhaupt diskutiert werden und immer wieder daran erinnert wird. Eine Gesellschaft ohne Gruppen des linken und emanzipatorischen Spektrums ist wie eine Welt ohne saubere Luft. Still und leise schleicht das Gift in unsere Lungen, während wir unbedacht weiteratmen. Die gesellschaftliche Anerkennung dieser Gruppen ist mangelhaft. Das muss sich ändern.

XR bietet Menschen eines breiten gesellschaftlichen Spektrums die Möglichkeit, an den verschiedensten gesellschaftlichen Kämpfen teilzunehmen. Die Gesellschaft muss aufbegehren, es ist höchste Zeit.

Als einer Bewegungsgesellschaft geht es XR um mehr als nur die Forderungen an die Politik. Es geht auch um die Visionen und die Schaffung einer solidarischen Gesellschaft. Dies leben bereits tausende Rebell:innen. XR ist nicht nur bei Protesten aktiv, mehr noch ist die Bewegung ein riesiges Netzwerk, das es den Menschen ermöglicht, sich neu zu erfinden, auszutauschen, weiter zu bilden und zu entwickeln sowie die vielen Visionen für eine bessere Welt auszuprobieren und zu leben.

Doch auch die offene Bewegungsgesellschaft von Extinction Rebellion hat ihre Grenzen. Es sind nicht viele, aber sie sind eindeutig.[b1]


Was unumstößlich ist

Die Bewegungsgesellschaft von XR gleicht in weiten Teilen einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Viele Menschen leben darin und besitzen das Recht, teilzuhaben. Die Bewegung schließt Menschen nicht von Beginn an aus. Wer sich mit den Prinzipien vereinen kann und nach ihnen handelt, kann Teil der Bewegung sein.

„Diskriminierendes Verhalten, Beschimpfungen und jegliche Art menschenfeindlicher Äußerungen und Aktionen sind für uns inakzeptabel.[...]Wir handeln aus Liebe zum Leben und für eine lebenswerte Zukunft aller Lebewesen auf diesem Planeten. Wir rufen alle auf, sich der Rebellion für das Überleben anzuschließen, unabhängig von Religion, Herkunft, Klasse, Alter, Sexualität, Geschlecht, Ethnie sowie politischer Neigung.“[60] (Seite eins der Website von Extinction Rebellion Deutschland).

Zum besseren Verständnis nochmal ein Auszug aus dem 6. Prinzip:

„Wir arbeiten aktiv daran, ein geschütztes und für alle zugängliches Umfeld zu schaffen. Wir akzeptieren weder körperliche noch verbale Gewalt oder Aufrufe zur Gewalt gegenüber anderen Menschen. Alle Formen der Unterdrückung, menschenverachtende Einstellungen, Diskriminierung gegen Menschengruppen lehnen wir strikt ab – sie haben keinen Platz bei XR. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, stehen wir strikt gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Sexismus, Homophobie, Ableismus, Klassendiskriminierung und Altersvorurteile.“[61]

Wer andere ausschließt, schließt sich selber aus.

„Divided we fall, united we stand.“ Bini Adamzcak

„Nazis Raus!“ Tino Pfaff


[1] https://extinctionrebellion.de/

[2] https://rebellion.global/de/

[3] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html

[4] https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/alarmierender-bericht-des-weltbiodiversitaetsrates-ohne-radikalen-wandel-droht-oekologischer-kollaps/

[5] https://www.volksverpetzer.de/bericht/afd-konsens-klimawandel/

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Radikaldemokratie

[7] Oligarchie: Herrschaft von wenigen; Herrschaft des Herrschens wegen

[8] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/prinzip-zehn/

[9] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/unsere-forderungen/

[10] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/

[11] https://www.partizipation.at/systemisches-konsensieren.html

[12] Pfaff, Tino; Hope dies - action begins, 57. (PDF unter: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5070-9/hope-dies-action-begins-stimmen-einer-neuen-bewegung/)

[13] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/unsere-forderungen/bv/

[14] https://www.buergerrat.de/aktuelles/buergerraete-weltweit/

[15] https://www.buergerrat.de/

[16] https://www.buergerrat.de/aktuelles/bundestagspraesident-unterstuetzt-buergerrat/

[17] https://www.lobbycontrol.de/lobbyismus-hoehlt-die-demokratie-aus-zehn-thesen/

[18] https://www.lobbycontrol.de/2016/05/video-so-geht-der-demokratie-ein-licht-auf/

[19] https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/lobbyismus/wir-veroeffentlichen-die-namen-von-607-lobbyisten-die-einen-hausausweis-fuer-den

[20] https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/lobbyismus/wir-veroeffentlichen-die-namen-von-607-lobbyisten-die-einen-hausausweis-fuer-den

[21] https://www.lobbycontrol.de/schwerpunkt/seitenwechsel/

[22] https://www.zeit.de/online/2006/10/lobbyismus

[23] https://www.lobbycontrol.de/schwerpunkt/seitenwechsel/

[24] https://www.dnr.de/presse/pressemitteilungen/pm-2020/mitglieder-der-kohlekommission-zur-aufkuendigung-des-kohle-kompromisses-durch-die-bundesregierung/

[25] https://www.windkraft-journal.de/2019/07/30/kampagne-der-insm-legt-es-auf-die-sabotage-der-energiewende-und-politischer-massnahmen-an/138248

[26] https://www.volker-quaschning.de/artikel/Fakten-INSM/index.php

[27] https://www.windkraft-journal.de/2013/11/17/80-000-arbeitsplatzverluste-in-der-erneuerbare-energien-branche/45906

[28] https://w3.windmesse.de/windenergie/pm/32093-hans-josef-fell-lobby-insm-grosskonzern-lobbyarbeit-fridays-for-future-jugendbewegung-umweltschutz-einfluss-bmwi

[29] https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ein-echter-green-new-deal-fuer-europa

[30] https://www.freitag.de/autoren/tipfaff/wir-brauchen-einen-klimarettungsschirm

[31] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/prinzip-neun/

[32] https://www.graswurzel.net/gwr/produkt/gandhi/

[33] https://www.welt.de/geschichte/kalenderblatt/article162634869/Gandhi-bricht-zum-Salzmarsch-auf.html

[34] https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/rosa-parks/

[35] http://www.martin-luther-king-zentrum.de/mlkz/lebenslauf

[36] https://www.history.com/topics/black-history/montgomery-bus-boycott

[37] https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/jugendkulturen-in-deutschland/36201/umwelt-und-anti-atomkraft-bewegung

[38] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2013/47878421_kw50_grundgesetz_20-214054

[39] https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20a.html

[40] https://extinctionrebellion.de/blog/reflexion-und-lernen/

[41] Vielfalt, Vielfältigkeit

[42] http://soziologie-kompakt.de/w/Klassen

[43] In dieser Aufzählung sind stets alle Geschlechter gemeint.

[44] https://frauenseiten.bremen.de/blog/was-ist-eigentlich-das-patriarchat/

[45] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/prinzip-fuenf/

[46] https://www.psychologistsforfuture.org/psychologie-der-klimakrise/klimaangst-anmerkungen-zu-einem-aktuellen-schlagwort-der-klimakrise/

[47] https://www.psychologistsforfuture.org/psychologie-der-klimakrise/klimaangst-anmerkungen-zu-einem-aktuellen-schlagwort-der-klimakrise/

[48] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/folgen-des-klimawandels/klimafolgen-deutschland

[49] https://www.forstpraxis.de/forstleute-rufen-klima-notstand-fuer-den-wald-aus/

[50] https://www.bdf-online.de/aktuelles/news/klimakatastrophe/

[51] https://www.globalcitizen.org/de/content/klimawandel-trifft-entwicklungslaender-am-haertest/

[52] https://taz.de/Kolonialismus-und-Klimakrise/!5638661/

[53] Metz, Johan Babtist; In Hope dies – action begins, 56.

[54] https://extinctionrebellion.de/fakten/

[55] https://www.germanzero.de/klimaplan

[56] https://taz.de/Rechte-Gewalt-in-Ostdeutschland/!5676492/

[57] https://www.rnd.de/politik/corona-krise-bundesregierung-warnt-vor-rechtsterroristischen-anschlagen-TXQKMTPWUJCTNBIGOQO2PKP47M.html

[58] https://www.tagesspiegel.de/politik/braune-staatsdiener-rechtsradikale-in-sicherheitsbehoerden-bedrohen-die-demokratie/25010400.html

[59] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/prinzip-fuenf/

[60] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/

[61] https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/prinzip-sechs/

[b1]Hier verstehe ich nicht, worauf sich „eindeutig“ bezieht.