Wir verspielen
unsere letzte Chance Wir verspielen unsere letzte Chance

Die Krise ist schon da

Die Arktis brennt

Ok, das ist nichts Neues – Buschfeuer sind selbst in der Arktis normal. Aber 2019 wütete wochenlang der größte Brand, den wir dort je gesehen haben. Man sah den Brand sogar aus dem Weltraum.


Artensterben

Inzwischen sind von geschätzt 8,1 Millionen Arten, die diese Erde bevölkern, ungefähr eine Million vom Aussterben bedroht. 10% aller Insekten, 40% aller Amphibien und 30% aller maritimen Säugetiere sind bedroht um nur ein paar Gruppen zu nennen. Die Geschwindigkeit, mit der das passiert, ist zehn- bis hundertmal schneller als in den letzten zehn Millionen Jahren. Die Biomasse von Insekten in deutschen Naturschutzgebieten z.B. ist in den letzten 27 Jahren um 76% eingebrochen. Der Wildtierbestand von Wirbeltieren in freier Wildbahn ist in den letzten 50 Jahren um 60% eingebrochen. Auch die Population von Meerestieren hat zwischen 1970 und 2015 um 49% abgenommen.


Hitze

2003 gab es in einer europäischen Hitzewelle geschätzt 45.000 bis 70.000 Tote. 2019 wurden in Indien schon über 50°C gemessen. Aber auch in Deutschland ist die Veränderung deutlich spürbar. Laut Dürremonitor gab es seit den Aufzeichnungen 1951 in Deutschland keinen trockeneren Sommer und Herbst als im Jahr 2018. Weniger Regen fiel seit Beginn von Niederschlagsmessungen in Sommermonaten 1881 nur im Jahr 1911. Große Flächen sind seit dem Sommer 2018 in einer Bodentiefe von 1,8 m nicht ausreichend durchfeuchtet. Entsprechend gab es bereits 2018 schwere Ernteeinbußen z.B. bei der Getreide- und Grundfutterernte.


Schmutzige Luft

Neun von zehn Menschen atmen eine Luftqualität, die nach Richtlinien der WHO als gesundheitsschädlich eingestuft wird. Ursachen sind neben Kochstellen über offenem Feuer in Entwicklungsländern bei uns vor allem Feinstaub.

Wieso 2-4°C mehr so fatal sind

Millionenstädte unter Wasser

Als es in der Vergangenheit auf der Erde durchschnittlich 1 °C wärmer war als heute (Stand 2016), lag der Meeresspiegel etwa 6-9 m höher. Bei 4°C über dem vorindustriellen Durchschnitt waren es etwa 23.5 m. Es gibt einige Kartensimulationen, die solche Szenarien auf Küstenregionen anwenden. Von New York bis Hamburg und Hong Kong werden Menschen betroffen sein.


Wasserstress

Jeder zweite Mensch wird 2030 von schwerem Wasserstress betroffen sein, wenn wir weiter machen wie bisher. Wasserstress bedeutet, dass mehr als 20% des verfügbaren Oberflächen- und Grundwassers genutzt wird. Das klingt unerheblich, hat aber direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft und erhöht das Risiko für Umweltprobleme.

Kein Spielraum für Experimente

Emissionen bis 1.5°C sind unser Carbon Budget

Wenn das Klima kippt

Mit der Klimakrise spielen wir russisches Roulette, es ist ein Experiment bei dem wir alles verlieren können. Durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) legen wir eine zusätzliche Wärmedecke um den Planeten. Einige Elemente wie das Grönländische Eisschild oder Methan-Ablagerungen haben einen so großen Einfluss, dass deren Kollaps einen Domino-Effekt bewirken kann. Deshalb nennt man sie Kippelementeweil wir nicht genau wissen, wann sie eintreten, haben sich Regierungen auf eine durchschnittliche Erwärmung zwischen 1.5°C und 2°C geeinigt. Die Menge an Treibhausgasen, die wir dafür noch austoßen dürften, nennt man Carbon Budget.


Und wenn wir das Budget übersteigen?

Wir haben noch ca. 347 Milliarden Tonnen an CO2 um die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, bei aktuellem Verbrauch reicht das 8 Jahre. Bei 4°C werden große Landstriche in Südeuropa zur Wüste [World Bank, Seite 37, 48], in den Ozeanen bilden sich aufgrund mangelhaftem Sauerstoffgehalt riesige tote Zonen, die allermeisten Korallenriffe sind abgestorben [IPCC AR5, Seite 70], wir erleiden massive Ernteausfälle [IPCC AR5, Seite 71], extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen durch den steigenden Meeresspiegel und Unwetter [World Bank, Seite 47], Stürme wie z.B. Hurrikane oder Dürren [World Bank, Seite 47, 48] werden für viele Teile des Planeten normal. Es gab in der Erdgeschichte selten einen derart rapiden Anstieg von Treibhausgasen, Ausbrüche von Riesenvulkanen kommen dem noch am nächsten. Die Wahrscheinlichkeit für ein globales Massensterben ist in so einem Fall hoch.

Angelehnt an Robbie Andrew, CO2 mitigation curves – die blaue Kurve müssten wir einschlagen, um die Erwärmung auf 2°C zu begrenzen.

Tödliche Politik

"Eine Sache für Profis"

Christian Lindner

Nichts anbrennen lassen in einem brennenden Haus

Juni 2019. Der Bundestag entscheidet sich mit 463 von 709 Mitgliedern dagegen, die Klimakrise anzuerkennen. Lediglich 138 stimmen mit JA. Nicht einmal ein halbes Jahr vorher nannte der UN Abgeordnete der Marschallinseln eine Erwärmung von 2°C bereits Völkermord, denn seine Nation versinkt. Schon 2009 hatten Minister der Malediven ein symbolisches Treffen abgehalten – unter Wasser. Deutschland war einmal Vorreiter in der Klimapolitik, verfehlt aber inzwischen die eigenen Klimaziele 2020 mit lediglich 32% statt 40% Reduktion. Und dabei werden Flugreisen nicht einmal berücksichtigt. Der Kohleausstieg ist momentan erst für 2038 geplant.


Keine Zeit für Ausreden

Selbst bei weltweiter Einhaltung derzeitiger Klimaziele & Abkommen steuern wir global bis 2100 auf eine Erwärmung der bodennahen Atmosphärentemperatur von 2,6 – 2,9°C zu im Vergleich zu vorindustriellen Leveln – Stand 19.09.2019. Das ist eine katastrophale, globale und existenzielle Bedrohung für die Menschheit. Für dich und deine Familie. Egal, was wir jetzt tun, der Planet wird sich massiv verändern. Entsprechend wird sich unser Lebensalltag massiv verändern. Die Frage ist, wer in so einer Welt überleben kann. Angesichts eines derart mörderischen Systems und unfähiger Politik ist die Rebellion eine logische Konsequenz. Wir haben die Wahl: Kollaps oder radikale Transformation? Und die Zeit drängt.


„Wenn wir innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht den Kurs wechseln, riskieren wir einen Klimakollaps.“

UN-Sekretär Guterres, Oktober 2018

Aktiv werden