Rebellion of One

Geschrieben von XRFreiburg am 22.05.2021

Rebellion of One - vom 27-03-2021, vom 15-05-2021 und vom 12-06-2021

Am Samstag Nachmittag, den 27.3.2021

wurden mehrere Strassen in Freiburg durch mutige Ein-Personenblockaden blockiert. Die XR Aktivist:innen nutzten diese neue Protestform "Rebellion of One", um ihre Verzweiflung deutlich zu machen. Die Pandemie lähmt, doch die ökologische Krise wird weiter ignoriert. Das System steuert auf die unwiederbringliche Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu. Die Verzweiflung ist so stark, dass die Aktivist:innen bereit sind mit ihrem Körper den Straßenverkehr zu blockieren, um auf diesen Notfall hinzuweisen.

Die bundesweite Aktion fand in 40 Städten in Deutschland zeitgleich statt.

Am Samstag Nachmittag, den 15.5.2021

wurden mehrere Strassen in Freiburg durch 9 mutige Ein-Personenblockaden blockiert. Alleine, gleichzeitig, gemeinsam. Das waren mehr als doppelt so viele wie beim letzten Mal am 27.3. (siehe Oben)

Die XR Aktivist:innen nutzten wieder diese neue Protestform "Rebellion of One", um ihre Verzweiflung deutlich zu machen. Die Pandemie lähmt, doch die ökologische Krise wird weiter ignoriert.

Das System steuert auf die unwiederbringliche Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu. Die Verzweiflung ist so stark, dass die Aktivist:innen bereit sind, mit ihrem Körper den Straßenverkehr zu blockieren, um auf diesen Notfall hinzuweisen.

Bundesweit fanden 200 Einzelblockaden in Deutschland zeitgleich statt. International gab es bereits RO1 u.a. in Polen, Schweden, Schweiz, GB, Russland, Tschechische Republik & Israel. Ohne die vielen Support-Gruppen wäre das nicht möglich gewesen. DANKE!

Fortsetzung folgt....

Let´s talk about... - Version 1

Let´s talk about - Version 2

Let´s talk about - Version 3

Zur dritten RO1 - am 12.6. 2021 -
standen in Freiburg 7 Blockaden

Dies geschah gleichzeitig mit vielen anderen in ganz Deutschland und sogar europaweit in 5 weiteren Ländern (Tschechien, Italien, Belgien, Niederlande und Frankreich).

In Freiburg hat sogar ein Rollstuhlfahrer eine Straße blockiert. Die Menschen haben so ihre verzweifelte Angst vor der Klimakrise ausgezudrückt. Sie sind bereit, einzeln sich dem Straßenverkehr auszusetzen und eine Strafe zu riskieren.

Diese Mal haben manche von uns auch die Ängste von Menschen aus dem Globalen Süden auf die Straße getragen, denn am gleichen Tag fand das Treffen der G7 statt. Länder, die 10% der Weltbevölkerung repräsentieren, aber ein Vielfaches der weltweiten Emissionen verursachten und verursachen. Unser System in dem wir leben, zerstört insbesondere die Lebensgrundlage von Menschen aus dem Globalen Süden. Diese Ungerechtigkeit kann im Globalen Süden deutlich schwieriger durch Protest auf die Straßen gebracht werden als im Globalen Norden. Um den Stimmen aus dem Globalen Süden wenigstens für einen Tag mehr Gehör zu verschaffen, trugen manche von uns ihre und unsere Angst heute gemeinsam auf die Straße."

Und hier ein Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin:

Auf der Straße sitzen. Alleine aber gemeinsam.

Als es 12 Uhr läutet, stelle ich mich an die Ampel, warte bis es grün wird und laufe auf die Straße, hänge mein Schild um, setze mich vor ein stehendes Auto und warte.

Zuerst wird gelacht, aber als es für die Autos wieder grün wird, folgt Hupen, wegscheuchende Handbewegungen und schnell auch Wut.

Zwei Mal war ich jetzt schon Teil der Rebellion of One und mir fällt auf, dass die Menschen dieses mal wütender auf mich zu sein scheinen. Die Straße ist nicht völlig blockiert, die Autos kommen an mir vorbei, müssen aber langsam fahren. Ich störe, ich sitze im Weg, aber niemand wird länger als 5 Minuten aufgehalten. Trotzdem werde ich angeschrien, beleidigt, mir wird drei mal aus Unachtsamkeit beinahe über den Fuß gefahren und ein mal fast frontal auf mich drauf.

Selber schuld, wenn man da sitzt.

Ich kenne das Risiko, also warum mache ich das? Kick? Bock auf Verletzung? Sie will doch nur Aufmerksamkeit?

Ja, genau. Letzteres. Ich will Aufmerksamkeit. Aber nicht für mich, nicht auf eine "schaut mich an, ich bin so krass" - Weise. Sondern für ein Thema, welches gerade von der Politik immer noch wegignorierit wird - besonders, wenn gerade keine Wahl ansteht -, für mich aber ganz präsent ist.

Meine Zukunft wird verspielt für Lobbys, kurzen "Profit", der riesige Schuldenberge nach sich ziehen wird, und vermeintlichen Luxus, den nur wenige genießen. Und vor allem nur kurz.

Ich könnte jetzt sagen "Ich mache das für die Natur, die ärmeren Menschen in den anderen Ländern, die Eisbären" aber ich mache das aus einem absolut egoistischen Grund: ich will leben.

Ich möchte sowohl überleben, als auch erleben. In Frieden, Freiheit und ohne Angst vor Krieg um immer knapper werdende Ressourcen auf immer weniger Lebensraum.

Ich möchte selbst entscheiden, ob ich mal Kinder und eine Familie haben möchte und nicht denken müssen "das geht eh nicht. Wie willst du ein Kind in einer Welt groß ziehen, in der nichtmal dein eigenes (Über)Leben einigermaßen sicher oder wahrscheinlich ist?".

Übertrieben? I don't think so.

Die wissenschaftlichen Prognosen gleichen dem Drehbuchskript eines Weltuntergangszenario-Blockbusters, in dem ich nicht mitspielen möchte.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das irgendjemand wünscht und meine Angst davor ist groß genug, um mich auch alleine auf eine befahrene Straße voller mit wütenden Menschen gefüllter Autos setzen.

Selber schuld also, wenn mir was passiert, aber die Zeit für ignorierbaren Protest ist vorbei.

"Warum setzt du dich denn nicht auf den Gehsteig?" werde ich mehrfach gefragt.

Ganz einfach: Aufmerksamkeit.

Wen juckt es schon, wenn eine junge Frau mit einem Schild in der Fußgängerzone sitzt? Wer guckt da schon? Wenns gut läuft, wird mir noch ein Euro in den Schoß geworfen.

Wenn ich auf der Straße sitze, sieht das schon anders aus.

Offensichtlich, denn am Straßenrand wird munter über mich und mit mir diskutiert, Menschen sagen mir, wie stark, mutig und toll sie die Aktion finden, dass sie meine Angst verstehen, aber ich damit in ihren Augen nichts erreichen werde oder, dass ich eine kleine "F****" bin, die ihr Hinterteil von der Straße bewegen möchte, damit der Herr weiterfahren könne. (hier mal etwas entschärfte Wortwahl)

Lustig, denn genau solche Aussagen beweisen, dass die Aktion eben doch etwas bringt, denn ich werde gesehen und das war das Ziel.

Zudem bin ich nicht alleine. In ganz Deutschland sitzen ca 200 Menschen zeitgleich einzeln auf den Straßen, das ist eine Message, die durch die Presse geht und auch die Politik erreicht.

Wir haben Angst. Und wir zeigen uns verletzlich, indem wir uns friedlich, mit einem Pappschild bewaffnet auf die Höhe der Stoßstangen begeben.

Wir sind keine Masse. Kein "wir gegen die".

Und das liebe ich so an der Rebellion of one: kein Mensch könnte uns jemals als tatsächliche Bedrohung wahrnehmen, wir sind ein einziger Mensch gegen einen Haufen andere. Wir sind keine Gruppe, die die Straße dicht macht, wir sind eine Person, die sich verletzlich zeigt.

Trotzdem sind Menschen wütend auf mich und das, obwohl sie teilweise als Passant*innen nicht einmal aufgehalten werden und auch die Autofahrer*innen kommen ja an mir vorbei. Ich habe also offensichtlich einen wunden Punkt getroffen und stelle dadurch eine Bedrohung dar. Ich störe den Alltag in einem System, welches meine Zukunft zerstört. Und nebenbei bemerkt auch die der meisten Menschen, die etwas dagegen haben, dass die Polizei mich nicht augenblicklich entfernt.

Ich bin nicht hier um die Autofahrer*innen zu stören und ich maße mir auch nicht an zu behaupten, diese wären schuld am Klimawandel. Sie sind nicht das Zielobjekt meines Protests. Sie sind das Mittel, welches mir die Aufmerksamkeit verschafft, die es braucht um die richtigen zu adressieren, diejenigen, die die Macht haben etwas zu verändern: Politik und Wirtschaft.

Denn ich würde gerne mindestens so alt werden, wie die Menschen, die grade meine Zukunft verheizen.

Power to the people. Future to the people.

Danke.