Berlinblockieren Tag 3

Geschrieben von XR Deutschland am 09.10.2019

"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht"

Bertolt Brecht

Warum wir auf der Straße sind? Wir können einfach nicht mehr tatenlos zusehen und die Zerstörung von allem zulassen, was wir lieben und was uns als Zivilisation ausmacht. Wir Rebell:innen sind bereit, unsere Freiheit zu riskieren, um endlich eine wirksame, ganzheitliche Klima- und Umweltpolitik zu erreichen. Wir handeln im Sinne unseres Gewissens und unserer Pflicht gegenüber unseren Kindern, dieser Gemeinschaft und diesem Planeten.


Ja, unser Protest soll stören, unbequem sein und wir wollen damit endlich hörbar werden.

Liebe Regierung - wir müssen reden!
Wir fordern:


23:00 Die Blockierenden stellen sich auf die Nacht ein

Der dritte Tag der Rebellion neigt sich dem Ende zu. Blockaden wurden von der Polizei geräumt oder von den Demonstrierenden freiwillig aufgelöst. Doch den Rebell:innen gelingt es an drei Orten in Berlin weiterhin präsent zu bleiben. Die Jannowitzbrücke, die Marshallbrücke und die Oberbaumbrücke sind nach wie vor blockiert. Hier bereitet man sich auf die Nacht vor. Helfer haben heißen Tee vorbeigebracht.

Foto: Extinction Rebellion

Blockade an der Oberbaumbrücke

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion

Die Rebell:innen an der Jannowitzbrücke blockieren die Brücke über Nacht.


19:00 Schweigeminute für die Opfer von Halle und Rojava

Wir sind alle tief betroffen von den schrecklichen Vorfällen in Halle und erschüttert über die Vorkommnisse in Rojava.

Deshalb schweigen wir gemeinsam um 19 Uhr und gedenken der Opfer. Am Ku'damm, der Oberbaumbrücke und der Jannowitzbrücke finden zwei Schweigeminuten für den Wunsch nach Frieden (für die Opfer von Halle und für die Menschen in Rojava) statt. Menschen mit Kerzen begeben sich trauernd zur Blockade auf der Marshallbrücke. Delegiertenplena der XR-Gruppen beratschlagen, wie sie angesichts dieser Vorfälle heute weitermachen wollen.

Foto: Extinction Rebellion


18:00 Wir blockieren den Ku'damm

Seit 16:00 Uhr haben XR Youth hier angemeldet gegen den Konsumwahn demonstriert. Es gab Musik, Reden und ein Picknick. Gegen 18:00 Uhr wird die Demonstration zur Blockade. Wir fordern: Sagt die Wahrheit über die Klimakrise, handelt jetzt!

Immer mehr Wegwerf-Konsum, immer mehr desselben Business-as-usual wird uns nicht aus dieser existenziellen Krise führen. Wir müssen innehalten und uns auf ein neues Miteinander besinnen.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion

Rettungsgasse auf dem Ku'damm

Safety first: Die Rebell:innen bilden eine Rettungsgasse und lassen ein Einsatzfahrzeug passieren.

Foto: Extinction Rebellion


17:00 Die Oberbaumbrücke füllt sich

Mehr Rebell:innen gesellen sich zu den anderen auf der Oberbaumbrücke. Zwischenzeitlich werden es 200 bis 250 Menschen, die von der Regierung fordern: Handelt jetzt!

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


16:30 Um die 100 Menschen auf der Oberbaumbrücke

Unterdessen lassen sich zwischen 50 und 100 Rebell:innen auf der Oberbaumbrücke nieder und blockieren dort einen Fahrstreifen. Sie fordern: Sagt die Wahrheit über die Klimakrise. Handelt endlich angemessen!

Die Blockade an der Marshallbrücke geht derweil mit guter Stimmung weiter.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


16:00 Grüße von der Jannowitzbrücke

Die Blockade an der Jannowitzbrücke wird von einem Lokführer freudig gegrüßt. Er hält den Zug an winkt den Demonstrierenden aus dem Fenster heraus. Wir grüßen zurück: Hurra, Sie fahren eines der Transportmittel der Zukunft!

Mit der Bahn zu fahren ist momentan ohnehin empfehlenswert - denn wir haben Berlin erfolgreich blockiert, wie der Tweet der Verkehrsinformationszentrale Berlin zeigt.

lsd

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Twitter VerkehrsInformation Berlin


15:00 Viel Energie am Mühlendamm

Die Mühlendammbrücke glänzte mit guter Stimmung, viel Energie und Farbenfreude - nun ist sie fast vollständig geräumt. Die letzten Lock-Ons werden derzeit gelöst. Aber ganz weg sind wir noch nicht: An der nördlichen Zufahrt sitzen auch um 15:40 noch etwa 100 Rebell:innen: "Die Polizei hat uns hier abgesetzt, also dachten wir, eigentlich ganz gemütlich"

Über 500 Rebell:innen spielten Musik, meditierten, haben Lieder geschrieben und Hundebabies gestreichelt - fast schon übertrieben friedlich. Eindrücke bekommt ihr in Videos auf Twitter: Die Stimung auf der Brücke ist kreativ und fröhlich.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


14:30 Spontaner Besuch bei der SPD

Nachdem wir gestern bereits die CDU zum Handeln aufgerufen haben, waren wir heute vor dem Willy-Brandt-Haus präsent. Die ökologische Krise betrifft uns alle. Das sogannte Klimaschutzprogramm ist im Hinblick auf den drohenden Kollaps des Klimas und unserer Ökosysteme nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Regierung muss endlich auf die Expert:innen hören und dafür sorgen, dass echte Lösungen beschlossen werden können. Da dies offenbar in der aktuellen Parteipolitik nicht möglich ist, fordern wir eine nationale Bürger:innenversammlung, um den politischen Stillstand zu beenden.

Wagt endlich mehr Demokratie!

Foto: Extinction Rebellion


13:15 Jannowitzbrücke

Zuerst waren nur 50 Rebell:innen vor, Ort inzwischen kam ordentlich Nachschub! Wir geben nicht auf - unsere Botschaft ist deutlich und klar: Wir müssen jetzt handeln, damit wir drohende ökologische Katastrophe abwenden können: Wir brauchen einen nationalen Klimanotstand.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


12:30 Siegessäule adé - die Rebella segelt weiter

Über 58 Stunden hatten wir den Verkehrsknotenpunkt großer Stern in eine autofreie, friedliche und kreative Oase verwandelt. Am Platz um die Arche Rebella konnte man sich schon vorstellen, wie eine derzeit utopisch erscheinende Zukunft aussehen könnte.

Als die Blockade fast vollständig geräumt war und der Verkehr wieder zu fließen begann, entschlossen die verbliebenden Aktivist:innen schweren Herzens ihre Energie in die anderen Blockaden zu stecken und den Platz zu verlassen.

Danke an alle Rebell:innen des Süd-West-Bündnisses, alle Unterstützer:innen und Animal Rebellion, die den Platz mit sagenhafter Energie und Kreativität über zwei eisige Nächte und nasse Tage hinweg gehalten haben.


11:55 Die Polizei konzentriert ihre Kräfte auf den Mühlendamm

Bei der Blockade des Norddeutschen Bündnisses passieren viele Dinge auf einmal: Es wurde eine Versammlung angemeldet. An der Westseite des Mühlendamms verläuft eine Polizeikette quer über die Brücke. Es wurde bereits die dritte Aufforderung der Polizei ausgesprochen den Bereich an der Kreuzung Breite Straße zu räumen. Der Protest ist auch hier bunt und es wird gesungen.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
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11:45 Zwischendurch an der Marshallbrücke

Foto: Extinction Rebellion

Unser Festival des kreativen Widerstands auf der Marshallbrücke nimmt nach einer Runde Morgenyoga fahrt auf. Es gibt Raum für Performances, Familienaktivitäten und Vorträge. Wenn ihr euch vor Ort informieren möchtet, schaut am Karlsplatz oder am Brandenburger Tor vorbei.


11:30 Räumung am großen Stern geht weiter

Die vierte Blockade wurde ganz entspannt von der Fahrbahn getragen. Die Stimmung ist auch nach über 55 Stunden freudig, locker und entspannt. Nach der Räumung stehen bzw. liegen nur noch die Lock-Ons.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


10:15 Weitere Blockade an der Mühlendammbrücke steht

300 Rebell:innen des Norddeutschland-Bündnisses blockieren jetzt auch an der Mühlendammbrücke und sichern bereits mit Festkettungen (Lock-Ons). Eine Person wurde in Gewahrsam genommen.

Foto: Extinction Rebellion


9:45 Siegessäule wird (auf)geräumt

Die erste der drei verbleibenden Blockaden wurde aufgelöst - die vorletzte wird versucht zu räumen. Die Polizei wird dabei auch kreativ und setzt Möbelroller ein, um die Aktivist:innen zu bewegen.

Unsere Rebell:innen stehen standhaft und halten die Säule - auch mit Lock-Ons (aneinander gekettete Rebell:innen). Währenddessen räumen die Rebell:innen vor Ort schon auf, um den großen Stern sauber und ordentlich zu hinterlassen.

Zwischendurch kommen auch unsere "Rebel Riders" auf Fahrrädern zu Besuch für moralischen Support.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


9:40 Verstärkung für die Marshallbrücke

Inzwischen sind etwa 1500 Menschen auf der Marshallbrücke. 200 Rebell:innen, die in einem Demozug heran gekommen sind, kommen schon gar nicht mehr drauf.

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


9:30 Siegessäule

Die Polizei ist nach einer ruhigen Nacht wieder verstärkt an der Siegessäule vorgefahren und fordert das erste Mal zum Verlassen der Zone auf. Wenig später folgen die zweite und dritte Aufforderung.


9:00 Guten Morgen, Marshallbrücke

Livestream/Video von der Marshallbrücke

Foto: Extinction Rebellion


8:30 Demo am Kanzleramt

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion


7:00 Wach auf Berlin

Die aufgehende Sonne wird von singenden Aktivist:innen begrüßt.

Der normale Autoverkehr wird hier gestört, aber für Krankenwagen aus der Charité ist natürlich eine Rettungsgasse eingerichtet die jederzeit freigemacht werden kann. Wie schnell und aufmerksam wir sind, sieht man in diesem Tweet. Die Nordseite ist zudem zugänglich für Personen. (bq)

Foto: Extinction Rebellion


6:00 Die Polizei versucht zu kesseln

Die Polizei ist an der Marshallbrücke und kesselt die Rebell:innen auf der Brücke ein - ein Durchkommen gibt es nur noch von der Nordseite, Unterstützung von außen kommt dort durch! (bq)


3:00 Extinction Rebellion besetzt die Marshallbrücke

Zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution besetzt unser Ostbündnis mit mehreren hundert Rebell:innen mitten in der Nacht die Marshallbrücke. Auch heute sind wir hier um zu protestieren!

Im Ostbündnis sind die Orts- und Regionalgruppen aus Ostdeutschland vertreten. Untestützt werden sie natürlich auch von Rebell:innen aus Berlin, die diese Woche mit Heimvorteil besonders stark vertreten sind. Gut 300 Rebell:innen sind vor Ort, neun Rebell:innen haben sich auf der Brücke an eine Holzkonstruktion, das „rettende Floß“, gekettet.

Wir richten uns gegen die beschämende Untätigkeit der Regierung angesichts der Klimakrise. Wir richten uns gegen das sogenannte "Klimapaket", das bestenfalls als unverantwortlich, kurzsichtig und wirklichkeitsfremd zu bezeichnen ist. Die Natur verhandelt nicht.

Die Blockade steht unter dem Motto "Uns steht das Wasser bis zum Hals" und "Handelt jetzt" - unsere zweite Forderung: Die Menschheit und damit insbesondere die Regierungen müssen jetzt aktiv werden, denn unser Budget an CO2 und anderen Treibhausgasen wird in wenigen Jahren erschöpft sein. Dazu muss Deutschland seine Treibhausgas-Emissionen bis 2025 auf Netto-Null senken. (bq)

Foto: Extinction Rebellion
Foto: Extinction Rebellion
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