Welcome to Climate Hell: Unter diesem Motto haben wir am 18. Oktober das Reinsurance Meeting in Baden-Baden begleitet. Mit Bannern, Musik, Redebeiträgen und kreativen Protestaktionen haben wir auf die Verantwortung der Rückversicherungsbranche in der Klimakrise aufmerksam gemacht. Der Höhepunkt: Ein selbst gestalteter Pappmaché-Erdball ging symbolisch in Flammen auf.
Und jährlich grüßt das Murmeltier
Jedes Jahr trifft sich die Rückversicherungsbranche in Baden-Baden. Und jedes Jahr sind auch wir von Extinction Rebellion vor Ort, um daran zu erinnern, was bei all den Gesprächen über Risiken, Märkte und Versicherungsverträge nicht vergessen werden darf: die eskalierende Klimakrise.
Unsere Kritik richtet sich gegen eine Branche, die einerseits vor den zunehmenden Risiken durch Extremwetter warnt, andererseits aber weiterhin fossile Energieprojekte absichert. Denn ohne Versicherungen lassen sich viele dieser Projekte kaum realisieren.
Keine Versicherung, kein LNG-Terminal.
Mit dieser Botschaft haben wir deutlich gemacht, welche Verantwortung Rückversicherer wie Swiss Re tragen. Wer fossile Infrastruktur versichert, trägt dazu bei, dass sie gebaut und betrieben werden kann – mit weitreichenden Folgen für Klima und Umwelt.
„Eigentlich ist es ganz einfach: Keine Versicherung, kein LNG-Terminal“, erklärte Renate Heurich von Extinction Rebellion. Die Branche müsse sich fragen lassen, wie ihre Warnungen vor den Folgen der Klimakrise mit der fortgesetzten Absicherung fossiler Projekte zusammenpassen.
Die Erde brennt – und das nicht nur symbolisch
Mit rund zwei Dutzend Menschen, großen Bannern und kreativen Aktionen haben wir am Sonntag vor dem Kongresshaus protestiert. Besonders im Fokus stand Flüssigerdgas, kurz LNG. Es wird häufig als Brückentechnologie auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Energieversorgung dargestellt. Doch auch LNG verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen – von der Förderung über die Verflüssigung und den Transport bis zur späteren Nutzung.
Unsere Botschaft: Fossiles Gas ist keine nachhaltige Lösung für die Klimakrise. Wer weiterhin in fossile Infrastruktur investiert oder sie versichert, verlängert die Abhängigkeit von klimaschädlichen Energieträgern.
Der eindrücklichste Moment des Protests war das Entzünden eines selbst gebastelten Erdballs aus Pappmaché.
„Die Erde brennt – und das leider nicht nur symbolisch“, sagte Saskia Weber, während das Modell vor dem Eingang des Kongresshauses herunterbrannte. Wir fordern von Rückversicherern wie Swiss Re, ihre Mitverantwortung für die Klimakrise anzuerkennen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehört auch, LNG nicht länger als vermeintlich klimafreundliche Brückentechnologie zu behandeln.
„Welcome to Climate Hell“ – auch auf den Werbeplakaten
Unser Protest begann nicht erst mit der Kundgebung. Bereits am frühen Morgen empfingen wir die Teilnehmenden des Reinsurance Meetings mit der Botschaft „Welcome to Climate Hell“. Außerdem veränderten wir bestehende Werbeplakate der Veranstaltung. Aus den ursprünglichen Werbebotschaften wurden kritische Kommentare wie:
„Profit today. Disaster tomorrow. Same time next year?“
Damit wollten wir einen Kontrast schaffen zwischen dem professionellen Auftritt der Branche und den realen Folgen ihrer Entscheidungen. Während beim Reinsurance Meeting über Risiken gesprochen wird, sind die Folgen der Klimakrise für viele Menschen längst Realität.
Besonders irritierend war für uns der Umgang mit unseren Plakaten: Nach unseren Angaben entfernte die Feuerwehr Baden-Baden im Rahmen der Amtshilfe mehrere der angebrachten Plakate, bevor die Konferenzteilnehmenden eintrafen. Dies geschah nach unserer Kenntnis im Auftrag der Stadt beziehungsweise der zuständigen Tourismusbehörde.
Wir kritisieren dieses Vorgehen, weil dadurch unser Protest aus dem öffentlichen Stadtbild verschwinden sollte, bevor er von den Gästen der Veranstaltung wahrgenommen werden konnte.
Doch Plakate lassen sich entfernen. Die Klimakrise nicht.
Eine Branche in der Verantwortung
Unser Protest in Baden-Baden ist Teil einer internationalen Bewegung, die die Geschäftspraktiken großer Versicherer und Rückversicherer kritisch hinterfragt. Unternehmen wie Swiss Re, Munich Re, Hannover Re und SCOR stehen immer wieder in der Kritik, weil ihre Entscheidungen über Versicherungen und Investitionen mit darüber bestimmen, ob fossile Energieprojekte umgesetzt werden können.
Auch international, etwa durch die Kampagne Insure Our Future und Proteste in der Schweiz, wächst der Druck auf die Branche, ihre Rolle bei der Finanzierung und Absicherung fossiler Energien zu verändern.
Denn Versicherungen sind nicht einfach neutrale Beobachter wirtschaftlicher Entwicklungen. Sie ermöglichen Risiken – und damit auch Projekte, die ohne Versicherungsschutz häufig nicht realisierbar wären.
Wenn Rückversicherer die zunehmenden Klimarisiken ernst nehmen, müssen sie deshalb auch ihre eigenen Geschäftsentscheidungen überprüfen.
Der Protest geht weiter
Das Reinsurance Meeting in Baden-Baden findet jedes Jahr statt. Unsere Forderung bleibt dieselbe: Keine weitere Absicherung fossiler Infrastruktur auf Kosten unserer Zukunft.
Wir wollen, dass Rückversicherer ihre Verantwortung anerkennen und konsequent handeln. Dazu gehört, fossile Projekte nicht länger durch Versicherungsverträge zu ermöglichen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu unterstützen.
Der brennende Erdball war ein Symbol. Die Klimakrise ist es nicht.
Solange die Versicherungsbranche weiterhin fossile Projekte absichert, werden wir ihre Verantwortung öffentlich machen – auf der Straße, mit kreativen Aktionen und gemeinsam mit Menschen, die sich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen.
Denn die Erde braucht keine weiteren Warnungen vor den Risiken. Sie braucht Konsequenzen.