Weihnachten, das besinnliche Fest des Massenkonsums?

Geschrieben von Huddeij am 22.12.2019

Hast Du Dich auch schon einmal gestresst, schwitzend und entnervt inmitten in einer ellenlangen und ohrenbetäubend lauten Einkaufsschlange wiedergefunden? Noch dazu in einem völlig überheizten Laden? Während alle Beteiligten, einschließlich Dir selbst, sich nichts sehnlicher wünschte, als gaaanz weit weg zu sein?

OH TANNENBAUM

Der Fall ist klar, die Situation bekannt: Weihnachten steht vor der Tür - das besinnliche Fest der Familie. Jenes Fest, dem letztes Jahr über 27 Millionen Bäume[1] zum Opfer fielen. Damitman ihnen, hübsch geschmückt, in den heimischen 4 Wänden beim Sterben zuschauen darf. Eine Nordmanntanne (des Deutschen liebstes Weihnachtsgewächs) benötigt 8 - 12 Jahre, um verkaufsfertig heranzuwachsen. In dieser Zeit wird sie chemisch gedüngt und mit Unmengen an Herbiziden behandelt. Das in den Bäumen während dieser Zeit gespeicherte CO2 wird durch das Fällen und anschließende Entsorgen wieder an die Atmosphäre abgegeben.

Es gibt zu diesem traditionellen Wahnsinn nachhaltigere Alternativen: Zum Beispiel ein Baum mit Wurzeln, bereits eingetopft! Alternativ kann man einen solchen Baum auch ausleihen oder ihn jedes Jahr selbst wiederverwenden.

Noch viel besser - Ihr fragt beim lokalen Forstamt nach, ob es Flächen gibt, auf denen ökologischer Waldumbau betrieben wird. Fichten und Tannen werden in unseren Wäldern nur wegen des raschen Holzertrags angebaut und beim Waldumbau durch heimische Laubholzarten ersetzt. Vielfach kann man sich junge Nadelbäume gegen geringe Gebühr selbst schneiden und zugleich dem lokalen Wald helfen.

FEST DER LIEBE

Durchschnittlich gaben die Deutschen anlässlich des Weihnachtsfestes im letzten Jahr pro Person 472 € [2] für ihre Liebsten aus. 2012 waren es noch 285 € [3]. Also eine Steigerung von über 65% in nur 5 Jahren! Und die prognostizierten Ausgaben werden 2019 noch weitersteigen! Während in anderen Teilen der Welt die Lebensumstände dramatisch und in wachsendem Tempo schlechter werden, dies nicht zuletzt auch verursacht durch die Klimakrise, geben wir und unsere Landsleute gestresst, entnervt und zumeist widerwillig 99.400.000.000 € [4] für einen einzigen Tag im Jahr aus. Damit könnte man auch 6,6 Milliarden Bäume pflanzen, die das Äquivalent von 10 Jahren CO2-Emissionen für ihr Wachstum nutzen und somit binden würden. Pro Jahr! Nur in Deutschland!

"Wenn uns jemand seine Zeit schenkt, ist es das Wertvollste, das er uns schenken kann, denn sie wird so nie wiederkommen." ~Heike Führ

Den Deutschen sind Gutscheine die liebsten Geschenke am Fest der Liebe. Dabei wäre doch wirklich gemeinsam verbrachte Zeit viel wertvoller, günstiger und vor allem auch nachhaltiger, im persönlichen, wie auch im globalen Maßstab. Zumal jeder und jede den allgegenwärtigen Stress beklagen und Zeit als kostbares Gut gilt! Mit anderen Worten - das perfekte Geschenk!

WEiHNACHTSBRATEN – SATANSBRATEN

Das Weihnachtsfest wäre keines ohne die Weihnachtgans auf dem Tisch, nicht wahr? Diese zumeist unter qualvollsten Bedingungen in Osteuropa gezüchteten Masttiere werden zu Millionen alljährlich als „Zeichen der Nächstenliebe“ zubereitet. 2017 waren es genau genommen 28.700.000 kg Lebewesen [5], vertrieben von der deutschen Lebensmittelindustrie, produziert jedoch in Polen und Ungarn, d.h. frei von jeglichen Einschränkungen durch Tierschutzauflagen. Der erschwingliche Preis für 1 kg Gänsefleisch beträgt gerade einmal 13,31€!

Hinzu kommt die Sekundärverwertung der armen Vögel, die gerade in Osteuropa häufig bei lebendigem Leib gerupft werden. Ihre Daunen und Federn bringen zusätzlichen Ertrag auf Kosten des Tieres. Weitere Schmerzen und inhumane Behandlung müssen Gänse in Ungarn ertragen, denn dort ist die Erzeugung von Stopfleber noch erlaubt! Bei dieser besonders grausamen Form der Fleischproduktion werden Gänse mit einem Stock und einem Trichter zwangsgefüttert, bis sie beinahe an der Mast sterben. Dadurch vervielfacht sich das Volumen ihrer Leber. Nach der Schlachtung wird dann diese "Delikatesse" unter dem eleganten, französischen Namen Foie Gras (Fettleber) verkauft. Möchte man das wirklich essen?

Dabei wäre es so einfach. Ein köstliches veganes 3 Gänge Menü für 4 Personen spart Geld, schont das Klima und verbessert durch den Verzicht die Massentierhaltung und deren katastrophalen Effekt auf Biodiversität und unser Klima. Die Vorspeise ist in diesem Beispiel ein leckerer Rosenkohl-Radicchio Salat mit Haselnüssen, gefolgt von Blumenkohl-Steaks mit Wurzelgemüsetatar & Nussparmesan. Den Abschluss macht ein Apfel-Waldbeeren-Crumble mit Zimt. Das alles kostet für 4 Personen weniger als 20 €.

Ich wünsche guten Appetit!