Rückversicherer = Klimasünder? Swiss Re, Munich Re und Co. im Visier von Aktivist*innen

Geschrieben von XR Deutschland am 19.10.2026

„Stop Reinsuring Fossil Fuels“ – „Stop Insuring LNG“: Auch am 19. Oktober haben Aktivist*innen von Extinction Rebellion, dem Widerstandskollektiv und Scientist Rebellion das Reinsurance Meeting in Baden-Baden mit Protest begleitet. Nachdem wir bereits am Vortag vor dem Kongresshaus auf die Verantwortung der Rück-Versicherungsbranche in der Klimakrise aufmerksam gemacht hatten, ging es heute darum, einen oft übersehenen Hebel sichtbar zu machen: Stop insuring LNG!

Versicherungen sichern fossile Geschäfte ab

In den frühen Morgenstunden kletterten mehrere Aktivist*innen auf das Vordach des Kongresshauses. Ihre Botschaft richtete sich an Rückversicherer wie Swiss Re, Munich Re und Co., die weiterhin fossile Energieprojekte absichern.

Denn Versicherungen sind weit mehr als stille Begleiter wirtschaftlicher Aktivitäten. Sie ermöglichen Unternehmen, Risiken einzugehen und Großprojekte umzusetzen. Ohne entsprechenden Versicherungsschutz wären viele fossile Vorhaben deutlich schwieriger zu realisieren.

Trotz der bekannten Folgen fossiler Energien für Klima, Umwelt und Gesundheit wird insbesondere Flüssigerdgas (LNG) noch immer als vermeintliche Brückentechnologie dargestellt.

„Es wird viel zu selten über den Hebel der Versicherungsbranche in der Klimakrise gesprochen“, erklärt Johanna Inkermann von Extinction Rebellion. „Sie versichern aktuell die Ursachen der Klimakrise, nicht unsere Zukunft.“

Dabei gibt es gute Gründe, LNG kritisch zu betrachten. Eine Studie der Cornell University aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass die Treibhausgasbilanz von Flüssigerdgas unter bestimmten Annahmen sogar schlechter ausfallen kann als die von Kohle. Berücksichtigt werden dabei auch Emissionen entlang der Lieferkette, etwa durch Förderung, Verflüssigung und Transport.

Für uns ist deshalb klar: Wer die Klimakrise ernst nimmt, muss auch die Rolle derjenigen hinterfragen, die fossile Infrastruktur versichern.

Ein Flashmob gegen das Wegsehen

Während Aktivist*innen auf das Dach stiegen, versammelten sich weitere Menschen auf dem Vorplatz zu einem Flashmob. Gemeinsam machten sie auf die tödlichen Folgen der Klimakrise aufmerksam.

Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse zeigen längst, dass die Klimakrise keine abstrakte Bedrohung einer fernen Zukunft ist. Sie gefährdet bereits heute Menschenleben – weltweit und auch in Deutschland.

Mit unserer Aktion wollten wir deutlich machen: Hinter den Geschäftsentscheidungen großer Unternehmen stehen konkrete Folgen für Menschen, ihre Lebensgrundlagen und die natürlichen Ökosysteme.

Ziviler Ungehorsam ist kein Selbstzweck

Der Protest wurde nach Beginn durch Polizeikräfte eingeschränkt. Dennoch fand die Aktion sowohl am Vordach als auch auf dem Vorplatz des Kongresshauses statt.

Warum wir zu solchen Mitteln greifen, erklärt Saskia Weber von Extinction Rebellion:

„Ziviler Ungehorsam ist für uns kein Selbstzweck. Es bleibt uns schlichtweg keine andere Wahl: Die Klimakrise braucht uns jetzt alle – aber eben nicht nur im Privaten, mit kleinen Schritten, die ein einzelner Mensch tun kann. Viel dringender brauchen wir Veränderung auf systemischer Ebene. Und dazu gehört insbesondere, dass Unternehmen in die Verantwortung gezogen werden.“

Genau deshalb protestieren wir dort, wo die Verantwortlichen zusammenkommen. Das Reinsurance Meeting ist für uns ein wichtiger Ort, um die Geschäftspraktiken der Branche öffentlich zu hinterfragen. Und wir werden auch andere mögliche Veranstaltungsorte im Blick behalten, darunter Hamburg, das als weiterer Standort für Branchentreffen im Gespräch ist.

Die Verantwortung endet nicht beim Klimaschutz

Die Folgen fossiler Energieprojekte gehen weit über ihre Treibhausgasemissionen hinaus. Besonders kritisch sehen wir die Zerstörung empfindlicher Ökosysteme und die sozialen Auswirkungen entsprechender Infrastrukturprojekte.

Ein Beispiel ist die US-amerikanische Golfküste, insbesondere Louisiana. Dort berichten Gemeinden seit Jahren über die Belastungen durch die petrochemische Industrie und den Ausbau fossiler Infrastruktur. Besonders betroffen sind häufig einkommensschwache und marginalisierte Gemeinschaften sowie indigene Bevölkerungsgruppen.

Wir sagen dazu:

„Fossile Energien sind nicht nur schlecht fürs Klima. LNG-Anlagen in Louisiana haben die Leben ganzer Communities zerstört. Steigende Krebsraten, verlorene Lebensgrundlagen und das insbesondere in indigenen oder armutsbetroffenen Gemeinschaften: Das ist die Realität hinter dem Profit von Rückversicherern wie Swiss Re.“

Auch empfindliche marine Lebensräume, etwa das Coral Triangle in Südostasien, geraten durch wirtschaftliche Aktivitäten und Infrastrukturprojekte unter Druck. Klimaschutz, der Biodiversität und Menschenrechte ausblendet, greift deshalb zu kurz.

Swiss Re, Munich Re und Co. müssen handeln

Zu den großen globalen Rückversicherern zählen Swiss Re, Munich Re, Hannover Re und SCOR. Ihre Richtlinien beeinflussen mit, welche fossilen Projekte versichert werden können und unter welchen Bedingungen.

Aktivist*innen und Klimaschutzorganisationen kritisieren seit Jahren, dass die Branche fossile Energieträger nicht konsequent genug ausschließt. Auch international wächst der Druck: Im Sommer gab es Proteste in London und Zürich, und die internationale Kampagne Insure Our Future untersucht die Klima- und Versicherungsrichtlinien der Rückversicherer.

Auch die Schweizer Finanz- und Wirtschaftspresse hat sich mit der Kritik an Swiss Re und dem Engagement der Branche in der Klimapolitik beschäftigt. Einen entsprechenden Beitrag findet ihr bei Finanz und Wirtschaft.

Dabei liegt gerade hier auch eine Chance: Wenn Rückversicherer ihre Richtlinien zu Öl und Gas verschärfen und die Absicherung neuer fossiler Projekte beenden, können sie einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

Unsere Forderung: Keine Versicherung für fossile Zukunft

Unser Protest in Baden-Baden richtet sich nicht gegen Versicherungen an sich. Er richtet sich gegen Geschäftsentscheidungen, die fossile Abhängigkeiten verlängern, obwohl die Klimakrise entschlossenes Handeln verlangt.

Wir fordern Rückversicherer wie Swiss Re, Munich Re, Hannover Re und SCOR auf, ihre Verantwortung anzuerkennen und ihre Versicherungsrichtlinien konsequent an den Erfordernissen des Klima- und Biodiversitätsschutzes auszurichten.

Keine weitere Absicherung fossiler Infrastruktur. Keine falschen Versprechen von LNG als klimafreundlicher Brückentechnologie. Keine Profite auf Kosten unserer Lebensgrundlagen.

Die Klimakrise verlangt Veränderungen auf allen Ebenen. Doch gerade Unternehmen mit so großem Einfluss auf die Realisierung fossiler Großprojekte haben die Möglichkeit und die Verantwortung, etwas zu bewegen.

Rebel for life!

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