Klimaschutz braucht Abrüstung

Geschrieben von Rodrigo aus Argentinien am 09.02.2020

Vorwort

In einem Gastbeitrag von Rodrigo aus Argentinien geben wir seine Sicht auf einen der größten weltweit agierenden Klimasünder, das Militär mitsamt seiner Rüstungsindustrie, wieder. Dass notwendigerweise auch die Kriegsmaschinerien mitsamt all ihren klima- und umweltschädlichen Konsequenzen ins Blickfeld unserer Aktionen geraten müssen, darauf weisen uns Friedensaktivisten nicht erst seit heute hin: eine zerstörte Umwelt und die immer weiter ausgebeuteten endlichen Ressourcen führen zu Kriegen, mit denen sich reiche Länder den Zugang zu eben diesen Ressourcen sichern oder sich abschotten wollen, um ihren klimaschädlichen Lebensstil aufrechtzuerhalten (www.krieg-beginnt-hier.de; www.imi-online.de/2019/06/21/krieg-ist-der-groesste-klimakiller/; https://www.isw-muenchen.de/2019/11/die-klimakiller-ruestung-krieg-und-militaer/)

Dass Klimaschutz dringender denn je das Militär in den Fokus nehmen muss, zeigen auch die letzten Erkenntnisse des Stockholmer Friedensforschungsinstituts. SIPRI zufolge stieg auch in 2018 der Umsatz der 100 größten Waffenproduzenten gegenüber dem Vorjahr um 4,6 % (https://sipri.org/sites/default/files/2019-12/1912_fs_top_100_2018_0.pdf). https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ruestungsexporte-aus-deutschland-genehmigungen-auf-rekordhoch-a-1302825.html

Militär - einen Großteil stoppen, den anderen umwandeln!

von Rodrigo aus Argentinien

Die Klimakatastrophe, der wir als Menschheit gegenüberstehen, ruft in uns die Angst vor dem Tod hervor. Ein Tod, der plötzlich eintreten könnte wie durch ein Erdbeben oder einen Tsunami, oder der langsam kommt und voller Verzweiflung, durch Hitze oder dadurch, dass Wasser unser Haus, unsere Betten, usw. überschwemmt. Es ist in der Tat schwierig, weil wir bereits mit einer Situation konfrontiert sind, in der man innehalten muss, denn wir können nicht die gesamte Energieerzeugung auf erneuerbare Energien umstellen, um das System so, wie es ist, weiterzuführen.

Da uns nicht mehr viel Zeit bleibt, um wenigstens 2°C globaler Erderwärmung nicht zu überschreiten, und da es Industriezweige gibt, von denen das Leben auf der Erde wohl oder übel abhängt, wie beispielsweise die Nahrungsmittelindustrie, müssen wir mit oberster Priorität versuchen, die Industrien zu stoppen, die wir am wenigsten brauchen. Es ist definitiv die Rüstungsindustrie, die als erste auf dieser Liste steht, weil sie auf unterschiedliche Weise, direkt oder indirekt, Tod und Zerstörung hervorbringt.

Direkt tobringend ist sie für Gemeinschaften, Frauen, Kinder, Lebewesen, die Artenvielfalt, sei es in bewaffneten Konflikten oder bei Atomtests auf pazifischen Inseln. Wir kennen auch die sogenannten Kollateralschäden wie Flucht und Vertreibung,

Aber indirekt bringen uns der Abbau natürlicher Ressourcen und der Verbrauch von Energie für die Erhaltung dieser Mega-Industrie, die alles verpestet, ebenfalls um.

Es ist sehr schwierig, genaue Zahlen in dieser Hinsicht zu finden, insbesondere aus Ländern wie Russland, China, Iran, Indien oder Pakistan, um nur einige zu nennen. Aber um eine Vorstellung vom Ressourcenverbrauch der Rüstungsindustrie zu bekommen, schauen wir uns mal einige Zahlen des mächtigsten Militärapparats der Welt, des US-Verteidigungsministeriums, an.

Der Gesamtenergieverbrauch im Haushalt des US-Verteidigungsministeriums im Geschäftsjahr 2006 betrug über 3,2 Millionen kW. Damit verbraucht Nigeria mit einer Bevölkerung von über 140 Millionen Menschen so viel Energie wie das US-Militär.

Der Pro-Kopf-Energieverbrauch des US-Militärs (153000 kW) ist zehnmal höher als der Pro-Kopf-Energieverbrauch in China oder dreißigmal höher als in Afrika.

Wenn der US-militärische Komplex ein Land wäre, stünde es in der Rangliste der Emittenten von Treibhausgasen an Platz 55, sagt Neta Crawford, Autorin einer Studie und Politikwissenschaftlerin an der Boston University.

Es kursieren etliche Zahlen, aber es ist zum Beispiel fast unmöglich zu erfahren, wie viel vom gesamten in Argentinien produzierten Biodiesel für den Militärapparat hergestellt wird. Das Gleiche gilt für die NATO. Wir werden diese Daten nie bekommen, und die Diskussion, die Veganer:innen zu Recht über Monokulturen für Tierfutter führen, lässt immer noch die Frage der Biokraftstoffe außer acht. Es bleibt festzustellen, dass Kühe, Schweine, Hühner usw. in Mastbetrieben häufig keine Vollkorngetreide erhalten, sondern nur die Pellets der Körner, die nach dem Pressen zur Gewinnung von Treibstoff übrigbleiben: für Biokraftstoffe. Auf diese Weise hat das gleiche Korn eine Doppelfunktion.

Wir sollten, wie ich eingangs sagte, die Dinge in der Reihenfolge ihrer Bedeutsamkeit für die Menschheit ordnen, um zum Beispiel weltweit die Luftwaffen aufzulösen (die im Falle der USA die Hälfte der Energie und des Budgets des Rüstungsetats verbraucht) und nur ein paar Schiffe, Landfahrzeuge und Truppen zurückzulassen, damit sie wie gute Pfadfinder Trinkwasser und Lebensmittel dahin bringen, wo es keine gibt, Brachflächen wieder aufforsten, Flüsse und Ozeane reinigen.

Um die Welt zu retten.... anstatt sie zu töten. Es ist die einzige Industrie, die einzige Organisation oder der einzige Parallelstaat, der über die wirtschaftlichen, logistischen und technologischen Kapazitäten verfügt, um dies, angeleitet von der Wissenschaft und dem Rückhalt in der Bevölkerung, schnell und effizient zu tun.