3 Minuten nachdenken über 3° mehr
Seit 5 Jahren führen die Klimaaktivist*innen von Extinction Rebellion einmal im Monat die „Klimawache“ am Adenauerplatz durch. Dabei wird der fließende Verkehr für jeweils ca. 3 Minuten kurzzeitig unterbrochen. Wir verteilen Info-Flyer und suchen das konstruktive Gespräch mit Passant*innen und Autofahrer*innen, um über die menschengemachte Klimakrise zu informieren.
Die Aktion ist immer angemeldet. Polizei vor Ort sorgt für den Schutz der Versammlungsfreiheit.
Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen für Klimawandel, Klimanotstand und Klimagerechtigkeit.
Die Politik muss die Rahmenbedingungen für einen wirksamen Klimaschutz stellen.
Die Politik muss handeln.
Mit der Aktion weisen wir regelmäßig auf Klimafolgen, aber auch Handlungsmöglichkeiten jedes*er Einzelnen hin.
Wir sind überzeugt, dass Klimaschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
Jede*r Einzelne trägt die Verantwortung für das eigene Handeln in der Gegenwart.
Jede*r Einzelne trägt die Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft der nachfolgenden Generationen.
Wir laden jeden ersten Samstag im Monat jede*n herzlich ein, sich zu engagieren und an unserer Aktion teilzunehmen!
Faktencheck
Die Folgen der menschengemachten Klimakrise zeigen sich immer deutlicher. Die Temperaturen und die Anzahl an Hitzetagen nehmen deutlich zu, Polareis schmilzt und der Meeresspiegel steigt. Dürreperioden, Waldbrände, Überschwemmungen und extreme Wetterereignisse stellen sich immer häufiger ein. Sie werden zunehmend heftiger und unkontrollierbarer. Immer öfter sind Todesfälle im Zusammenhang mit Klimaereignissen zu beklagen. Hitzeperioden beeinträchtigen unsere Gesundheit und Lebensqualität. Auf unsere Gemeinschaft kommen durch wetter- und klimabedingte Katastrophen immense Kosten zu.
Mit einem ungebremsten Fortschreiten des Klimawandels nehmen wir Menschen uns unsere Lebensgrundlage.
Selten waren die Folgen des Klimawandels so spürbar. Jedoch ist die Dringlichkeit des Themas angesichts zahlreicher gesamtgesellschaftlicher Problemfelder in den Hintergrund geraten.
Gleichwohl ist die Sorge der Bevölkerung vor Klimawandel-Folgen ungebrochen. Derzeit fehlt unserer Bundesregierung jedoch der politische Wille, die Klimakrise aufzuhalten: Statt konsequent umfänglich in erneuerbare Energien zu investieren, pflegt sie eine allzu enge Reiche-Verbindung zur fossilen Wirtschaft.
Zu unseren Forderungen gehören:
- der Abbau klimaschädlicher Subventionen (z. B. Dienstwagenprivileg, Kerosinsteuer, ...)
- Gesetzliche Regelungen bei Umweltschäden für Energiewirtschaft und Industrie nach dem Verursacherprinzip
- eine sozial gerechte Steuerpolitik auf Einkommen, Vermögen und Erbschaft ohne Schlupflöcher für Milliardäre
- eine entschlossene Mobilitätswende (Neuaushandlung der Platzverteilung des öffentlichen Raums, Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen, Ausbau des ÖPNV, Geschwindigkeitsbegrenzungen)
Noch können wir etwas tun und erreichen!
DESHALB: Informiere dich zur menschengemachten Klimakrise (Links, s.u.) und überlege, wie du aktiv zum Klimaschutz beitragen kannst.
Bundesregierung: Fakten gegen Mythen u. Falschmeldungen
NABU: Faktencheck zur Klimakrise
Rede anlässlich 5 Jahren Klimawache auf dem Adenauerplatz
Klimawache Bielefeld
Liebe Menschen,
heute stehen und demonstrieren wir hier nicht zufällig. Seit fünf Jahren erinnern wir an etwas, das sich nicht ignorieren lässt: die fortschreitende Klimakrise. Fünf Jahre, in denen wir sichtbar gemacht haben, was oft verdrängt wird. Fünf Jahre, in denen wir uns bewusst in den Weg stellen – nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung.
An jedem ersten Samstag im Monat von 11 bis 13 Uhr blockieren wir alle 15 Minuten für drei Minuten den Verkehr.
Drei Minuten, die stören. Drei Minuten, die irritieren. Aber auch drei Minuten, die Raum schaffen – für Nachdenken, für Gespräche, für die Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben?
Denn während wir dort blockieren und auch während wir jetzt hier stehen, schreitet die Klimakrise weiter voran.
Europa erwärmt sich aktuell doppelt so schnell wie die Welt als Ganzes. Und es wäre so schön, wenn das Dilemma, in dem sich unser Planet befindet, ähnlich viel Betroffenheit in unserer Gesellschaft auslösen würde, wie das Schicksal von Buckelwal Timmy!
Während Autos in täglichen Staus und auch während unserer Blockaden warten müssen, wartet und streitet die Politik noch immer zu oft, statt endlich die Wege für Veränderungen zu öffnen.
Und genau deshalb sind wir hier: um zu zeigen, dass Veränderung nötig ist – und längst überfällig.
Veränderung zum Beispiel durch Tempolimits auf allen Straßen. Laut Umweltbundesamt ist durch Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 km/h auf der Autobahn und auf 80 km/h außerorts ein deutlicher Rückgang von Stickoxid, Lärm und Verkehrstoten zu erwarten, zudem lassen sich mehr als 6 ½ Mio. Tonnen Co2 Äquivalente und annähernd 3 Milliarden Liter Kraftstoff einsparen. Und sparen tut die aktuelle Regierung doch so gerne!!!!! Nur leider immer am falschen Ende!!!
Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts bewirkt, dass alle Abgase und Luftschadstoffe deutlich sinken und wird daher ausdrücklich vom Umweltbundesamt empfohlen!
Wieso passiert dann nichts?
Sollen wir unseren Enkelkindern ernsthaft erzählen, Tempolimits hätten unsere Freiheit und Menschenwürde zu sehr eingeschränkt? Oder: Es gab zu wenig Schilder?
Veränderung zum Beispiel durch ein hervorragendes Radwegeverkehrsnetz, damit Radfahren für große und kleine Menschen attraktiver und sicherer wird und nicht immer noch etwa doppelt so viele RadfahrerInnen im Jahr sterben verglichen mit Menschen in PKWs.
Veränderung zum Beispiel durch maximalen Ausbau aller möglichen Klimaschutzmaßnahmen, die die Folgen von einerseits Hitzewellen und Dürreperioden und andererseits Starkregenereignissen mit anschließenden zerstörerischen Flutwellen abfedern oder noch besser die Gefahrenpotentiale mindern. Schon jetzt erleben wir jeden Sommer Temperaturen, wegen derer wir mittags keinen Fuß mehr vor die Tür setzen können, während die andere Hemisphäre unter Wassermassen ertrinkt; auch in Europa mehrt sich die Gefahr, dass ganze Dörfer durch Wasserfluten zerstört werden, während der globale Süden wegen anhaltender Dürre Hungersnöte erleidet.
Veränderung zum Beispiel in der Nahrungsmittel- insbesondere in der Fleischindustrie, damit Menschen nicht, weil sie das Pech haben, jetzt Kind oder noch nicht geboren zu sein, einen kaputten Planeten erben werden. Was hilft es dann zu sagen: „Sorry, wir fanden Fleisch einfach lecker und es war uns egal, wie klimaschädlich die Produktion war.“
Veränderung zum Beispiel durch maximalen Ausbau von erneuerbaren Energien, so schnell wie nur möglich, um zeitnah unseren gestiegenen Energiebedarf ganz ohne Öl, Kohle, Gas und Atomkraft zu decken. Warum haben wir das nicht schon längst geschafft? Warum gibt es Verschleppung beim Ausbau? Warum haben die Automobilhersteller bei der Entwicklung und Produktion von E-Autos so lange gezaudert? Keine Ahnung! Die Energiewende zu verpassen ist am Ende viel schädlicher für unsere Wirtschaft! Das Argument: Klimaschutz ist viel zu teuer und schlecht für die Wirtschaft hat sich abgenutzt und ist längst widerlegt!
Nennt uns nicht Spaßbremsen oder linke Spinner, die Euch die Partystimmung vermiesen wollen!
Wir müssen endlich alle zusammen die Verantwortung übernehmen für unser Handeln. Wir dürfen die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Prognosen z.B. aus dem IPCC-Bericht von 2023 nicht ignorieren und so tun, als gäbe es für unsere Gesellschaft nur die einzige Möglichkeit, größtmögliches Wirtschaftswachstum anzustreben und einer elitären superreichen Lobby zu dienen, damit die politische Wiederwahl nicht gefährdet wird.
Das waren nur ein paar Beispiele für Veränderung, die es braucht, um unseren Planeten lebenswert zu erhalten. Aber was passiert stattdessen?
Der Rat der Stadt Bielefeld hat zwar eine Mobilitätswende beschlossen, in deren Rahmen der ÖPNV und Radverkehr besonders gefördert werden sollen. Beides sollte eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs erzielen. Dazu im Widerspruch stehen jedoch neue autobahnähnliche Straßen und Ausbauplanungen wie der Neubau der Herforder Straße, die neue L 712 n, die neue B 61n und neue Abschnitte der B 66n. Neue Straßen ziehen neuen Verkehr an. Und Erweiterungen von Flughäfen wie in Windelsbleiche minimieren sicher nicht die schon jetzt existierende Lärmbelästigung sowie den erheblichen Emissionsausstoß.
Schluss damit sagen wir! Lasst uns endlich alle zusammen die Verantwortung tragen. Ja, auch privat helfen Ökostrom, weniger Autofahrten, sparsames Heizen und bewusster Konsum, aber die größte Wirkung entsteht durch politische und wirtschaftliche Veränderungen. Für die Wirtschaft bedeutet Klimaschutz: mehr Investitionen heute, aber bessere Chancen, höhere Resilienz und geringere Schäden morgen. Für menschenwürdige Lebensbedingungen auf unserem Planeten.
Und deshalb sind wir hier, deshalb ist es unsere Pflicht, die globale und generationenübergreifende Achtung der Menschenwürde einzufordern und nicht nachzulassen in unserem Mahnen und Demonstrieren und Blockieren und Fordern von allem, was unseren Planeten schützt.