09 Mai 2026
JUBILÄUM 5 JAHRE 3 MINUTEN - Klimawache Adenauerplatz
Adenauerplatz 11 Uhr

Seit 5 Jahren führen Klimaaktivist*innen von Extinction Rebellion (XR) einmal im Monat die Klimawache am Adenauerplatz durch.

Jubiläum 5 Jahre Klimawache Adenauerplatz - 60 mal Aktion

DEMO mit Gehzeugen, Transparenten und EUCH!

Seid dabei am 09.05.2026 um 11.00 Uhr am Adenauerplatz, ab 12 UHR DEMO

Engagement für Klima findet in schwierigen Zeiten statt.

Zusammenhänge mit anderen Themen wie soziale Gerechtigkeit werden zu häufig vernachlässigt. Die Besteuerung von sozial ungerechtem und ökologisch destruktivem Wohlstand sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wir fordern klimaschonendes und nachhaltiges Verhalten durch finanzielle Anreize zu fördern, z.B. durch ein Klimageld und klimaschädliche Subventionen zu beenden.

Hier ist die Politik gefordert und muss handeln!

Die Zeit ist schlecht? Na dann! - Du bist da, sie besser zu machen!

Lebensqualität, Gesundheit, saubere Luft! All das sind Themen, die viele Menschen beschäftigen. Lasst uns sichtbar und hörbar bleiben. Es beginnt mit kleinen Schritten, mit Solidarität und Zusammenhalt, mit Zuversicht.

Wir müssen als Gesellschaft Entscheidungen treffen! Jetzt!

Wie wollen wir leben? Welche Vorsorge treffen wir heute, um die Zukunft der nachfolgenden Generationen lebenswert und sicher zu gestalten?

Wir brauchen dich als Zeichen dafür, dass ein breites Klimabündnis trotz schwieriger Umstände handelt, Forderungen stellt und für eine bessere Zukunft antritt.

Am 09.05.2026 wollen wir ab 12.00 Uhr mit einer bunten Demo sichtbar und hörbar für einen besseren und umfangreicheren Klimaschutz eintreten. Es werden Gehzeuge, Fahrräder und Fußgänger*innen sowie hoffentlich viele Menschen mit phantasievollen Transparenten und Plakaten am Start sein.


Route: Adenauerplatz — Jahnplatz (Kundgebung) — Adenauerplatz.

Wer an der Drei-Minuten-Klimawache teilnehmen will, ist herzlich eingeladen: von 11.00 -12.00 Uhr.

25.05.2024– Rede zum 3. Jubiläum der Klimawache Adenauerplatz

Ich wollte einmal meine Glückwünsche aussprechen, an das Grundgesetz – das wurde am Donnerstag nämlich 75 Jahre alt.

Zu dem Anlass wollte ich kurz ein kleines Zitat verlesen, die meisten hier kennen es wahrscheinlich:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Ein nettes Zitat, oft und gerne wiederholt, es macht sich auch einfach schön in jeder Rede. Ein bisschen Menschlichkeit zeigen.

Blöd nur, wenn der Inhalt von Artikel 1 GG leider nicht auf Dich zutrifft, weil Du dummerweise im Flutgebiet lebst, aktuell zum Beispiel im Saarland, wo das nächste Jahrhunderthochwasser – inzwischen eigentlich eher Alle-3-Jahre-Hochwasser – die Straßen flutet.

Oder wenn Du Fahrrad fährst, obwohl immer noch etwa doppelt so viele RadfahrerInnen im Jahr sterben verglichen mit Menschen in PKWs. Wer hätte auch ahnen können, dass den Autos ausgesetzte Radwege (wenn man das Glück hat, überhaupt einen Fahrradweg oder –„schutz“streifen nutzen zu können) Menschenleben gefährden können?

Blöd auch, wenn Du leider zu alt bist, oder chronisch erkrankt, und unter der nächsten Hitzewelle leiden oder, wie über 3000 Menschen in Deutschland im letzten Jahr, sogar sterben wirst.

Oder das Pech hast, jetzt Kind oder noch nicht geboren zu sein, und einen kaputten Planeten zu erben. Sorry, wir wollten halt noch ein paar Tiere essen und Tempolimits auf Autobahnen hätte unsere Menschenwürde einfach zu sehr eingeschränkt. Du erlebst jeden Sommer Temperaturen, wegen derer Du mittags keinen Fuß mehr vor die Tür setzen kannst, während die andere Hemisphäre unter Wassermassen ertrinkt?

Joa, klingt mies, aber freu Dich doch mal für uns – wir konnten noch etwas Spaß im Porsche auf der Autobahn haben, und wir hatten nun mal Angst um unser Wirtschaftswachstum, so ganz ohne Kohlekraft.

Warum wir die Erneuerbaren so schleppend ausgebaut haben? Keine Ahnung. Aber denk doch mal an die Wirtschaft! Und Klimaschutz, das wäre viel zu teuer gewesen.
Sorry, dass Du jetzt Wasser rationieren musst, aber damals war uns das doch gar nicht klar mit dem Klimawandel.

Die Spaßbremsen wollten uns halt unsere Partystimmung vermiesen, dachten wir, da hättest Du doch genauso reagiert. Und es war ja nicht nur unsere Schuld, weißt Du, die anderen Diskussionen haben uns damals einfach so abgelenkt, da geht so ein IPCC-Bericht einfach unter. Aber kannst Du Dir das vorstellen, so mit dem Gendern, einfach in Deiner Sprache, in Deiner Freiheit, eingeschränkt zu werden?

Nee, Genderzwang gab es nie, nur Genderverbote, aber kannst Du Dir unsere Angst eigentlich vorstellen?? … ach, Hungersnöte hast Du auch? Und Waldbrände? Hier, in Deutschland?!

Das waren nur ein paar Beispiele, aber es wird selbst innerhalb Deutschlands schnell klar, die Würde des Menschen gilt immer noch nicht für alle im gleichen Maße.

Während wir hunderte Kilometer Autobahnen durch Moore und Natur bauen und auch hier noch schnell mit fetten Straßenkreuzungen aus dem letzten Jahrhundert Naturräume zerschnippeln, schaffen wir es immer noch nicht, anständigen ÖPNV und geschützte Radwege oder, Gott bewahre, Fahrradstraßen bereitzustellen.

Menschenwürde finden wir als Gesellschaft eigentlich cool. Aber Menschenwürde angesichts der Klimakatastrophe ist vielen dann leider doch zu teuer.

Gucken wir uns die Zahlen einmal an, sehen wir, dass die Folgen der Klimakatastrophe immer teurer werden, je länger wir mit dem Handeln warten.

Handeln wir gar nicht oder noch später als jetzt schon – und es ist keineswegs klar, ob und inwiefern bis dahin nicht bereits Dominoeffekte eingetreten sein werden, denn momentan erwärmen sich die Ozeane in einer ungeahnten Geschwindigkeit -, so werden die Folgen der Klimakrise bis 2049 einen globalen Einkommensverlust von 20% bedeuten und jährlich 36 Billionen Euro verschlingen.

In Bielefeld würden uns ohne Maßnahmen übrigens statt der 10 Milliarden Euro Investitionen in Klimaschutz dann durch Schäden etc. etwa 60 Milliarden erwarten.

Unser Verkehrsminister macht allerdings lieber Klientelpolitik und weicht das KSG auf, damit er auf das Erreichen seines Sektorzieles großzügig verzichten kann.

Als kleine Überlegung, die Verkehrswende im jetzigen Tempo wird bis 2045 ca. 10 Billionen Euro kosten, wenn die realen Kosten, also die Schäden, die durch die freigesetzten THG entstehen, miteinbezogen werden. Und selbst dann würden die Klimaziele im Verkehrssektor weit verfehlt – eine Minusrechnung.

Was sollen wir jetzt also tun?

Die gute Nachricht ist: Wir können die Klimaziele, wenn wir denn wollen, erreichen. Die Verkehrswende sei bis 2045 ohne Mehrkosten machbar, so die Direktorin der Agora Verkehrswende. Offensichtlich benötigt es dazu zunächst Investitionen, summiert und verrechnet mit Schäden und Folgen der Klimakrise ist die Verkehrswende allerdings der beste Deal, den wir für den Planeten und die Menschen auf ihm aushandeln können.

Und klar ist es traurig, wenn statt fünfspurigen Straßen mehr Grün gepflanzt werden kann. Es ist schwer anzusehen, wenn der charakteristische Geruch von Autoabgasen aus den Städten schwindet und keine PKWs mehr mit 50 kmh direkt neben dem Gehweg entlangcruisen dürfen. Auch einfache Anbindungen an dem ÖPNV können schnell nach hinten losgehen, da schaut man eine Sekunde nicht hin und – zack - brauchen auch Menschen aus Versmold ohne Auto keine 2 h mehr bis Bielefeld. Das wäre ein schlimmes Szenario, aber wenn ich dafür in 20 Jahren im Sommer noch ohne sofortigen Hitzeschlag vor die Tür gehen kann, ist es mir das wert.

Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden, braucht es vor allem politischen Willen und ein Ernstnehmen der Wissenschaft. Auch wir können uns lustigere Dinge vorstellen, als Samstagvormittags für die Verkehrswende zu demonstrieren. Die politische Untätigkeit und das systematische Herunterspielen des menschlichen Einflusses auf die Klimakrise lassen das aber nicht zu - deshalb sind wir heute hier, um die Verkehrswende einzufordern.

Klimaschutz ist untrennbar mit der Wahrung der Menschenwürde verknüpft, und für den Staat nicht optional – im Gegenteil, der Staat ist verpflichtet, diese Würde zu achten und zu schützen. Ein Weitermachen wie bisher tritt die Würde anderer Menschen und der kommenden Generationen mit Füßen. PolitikerInnen, welche einerseits das Grundgesetz anpreisen und im nächsten Moment das KSG weiter aufweichen, scheitern anscheinend schon am ersten Artikel.

Deshalb sind wir hier, deshalb ist es unsere Pflicht, die globale und generationenübergreifende Achtung der Menschenwürde einzufordern.

Edward Lorenz

Als der Schmetterlingseffekt ein Chaos anrichtete

Flattert ein Schmetterling in Brasilien, beeinflusst er dadurch die Atmosphäre und kann damit zu einem Wirbelsturm in Texas beitragen: Dieses Phänomen ist als Schmetterlingseffekt bekannt. Der Begriff stammt von Edward Lorenz, dem Wegbereiter der Chaostheorie.

Edward Norton Lorenz wurde am 23. Mai 1917 in West Hartford im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut geboren. Schon früh, so erklärte er in einem Buch, habe er sich für Zahlen interessiert. Zunächst ging er ans Dartmouth College, dann machte er 1940 an der Harvard University seinen Master in Mathematik. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er an Wettervorhersagen für die Luftstreitkräfte der US-Armee. 1946 kam er ans Massachusetts Institute of Technology (MIT) und studierte Meteorologie. Dort promovierte er und erhielt 1962 eine Professur. Und bei seiner Arbeit am Institut entdeckte er auch den Schmetterlingseffekt.

Ein kleiner Fehler von Lorenz zeigt große Wirkung

1961 arbeitete Lorenz mit einem – für heutige Verhältnisse – primitiven Computer an einem einfachen Wettervorhersage-Modell. Zur Simulation verwendete er drei Variablen: Temperatur, Luftdruck und Windrichtung und setzte diese in Beziehung. Er spielte sein Modell durch und bekam erste Ergebnisse. Doch als er das Modell ein weiteres Mal durchrechnete, unterlief ihm ein minimaler Fehler: Statt seine Berechnungen wie beim ersten Mal mit der Zahl 0,56127 durchzuführen, ließ er versehentlich die letzten drei Ziffern weg und verwendete 0,56. Diese minimale Veränderung führte zu einem komplett anderen Ergebnis.

Kleine Veränderungen können Großes bewirken

Lorenz ging der Sache nach. Er stellte fest, dass kleinste Variationen in einem dynamischen deterministischen Prozess – wie in einem Wettermodell – später zu sehr großen Unterschieden führen können. Diese Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen wurde bekannt als sogenannter Schmetterlingseffekt. Die Metapher steht seither dafür, dass Zusammenhänge so komplex sind, dass kleinste Abweichungen größte Wirkung haben können. Sein Beispiel: das globale Wetter, das langfristig nicht vorhersehbar ist. Demnach ist das Wetter ein sogenanntes deterministisches chaotisches System. Lorenz erkannte, dass hinter dem Phänomen ein relativ einfaches Gleichungssystem steht, das wiederum ein Muster von unendlicher Komplexität hervorruft und niemals zum selben Ergebnis führt. Das war der Beginn der "Chaos-Theorie".

Der Schmetterlingseffekt

Der "Schmetterling" kam Lorenz in den Sinn, als er eine Computer-Grafik zu seinen Berechnungen sah: Sie stellt die Ergebnisse eines einfachen Wettermodells durch abstrakte Punkte und Linien dar: Sie zeigt zwei "Flügel", die Schmetterlingsflügeln ähneln, aus aneinandergereihten Punkten. Jeder Punkt entspricht der Lösung des Differentialgleichungssystems, das aus den drei Variablen besteht. Dabei beschreiben die Punkte eine chaotische Bewegung auf einer Schleifenlinie im dreidimensionalen Raum, die sich niemals trifft. Auch, wenn man für die Atmosphäre diese Berechnungen immer wieder macht und diese niemals identisch sind, so behalten sie trotzdem immer wieder dieselbe schmetterlingshafte Form.

Kyoto-Preis für grundlegende wissenschaftliche Erkenntnis

Bis 1987 war Lorenz als Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Neben zahlreichen anderen wissenschaftlichen Auszeichnungen – so erhielt er 1983 den Crafoord-Preis der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Geowissenschaften und wurde 1988 in die Akademie der Wissenschaften der ehemaligen Sowjetunion (UdSSR) aufgenommen – bekam er 1991 den Kyoto-Preis in der Sparte Grundwissenschaften. Bei der Verleihung wurde seine Chaos-Theorie "als eine der dramatischsten Veränderungen in der Sicht der Menschheit auf die Natur seit Sir Isaac Newton" gewürdigt. Am 16. April 2008 starb Edward Lorenz mit 90 Jahren.

Chaosforschung

Die Chaosforschung ist ein Teilgebiet der Physik und Mathematik und befasst sich mit der Ordnung in dynamischen Systemen. Als dynamisches System versteht man das mathematische Modell eines Prozesses, dessen Verlauf ganz entscheidend vom Anfangszustand abhängt und den man nicht langfristig vorhersehen kann. Solch ein nichtlinearer, unvorhersehbarer Vorgang ist auch das Wetter. Ein weiteres Beispiel für chaotische Systeme ist das Verkehrschaos – bei dem der Name Programm ist: Es ist unmöglich zu wissen, wann es an bestimmten Stellen exakt wieder zu einem Stau kommt. Auch die Umlaufbahnen von Planeten und Monden sind nicht endlos im Voraus zu berechnen.

Fazit

Wenn ein einziger Flügelschlag eines Schmetterlings die Auslösung eines Tornados zur Folge haben kann, so gilt dies ebenso für alle vorhergehenden und folgenden Flügelschläge so wie für die von Millionen anderer Schmetterlinge ohne zu sprechen von den unzähligen viel stärkeren Lebewesen, insbesondere unserer eigenen Spezies.

09 Mai 2026

11:00 - 14:00

Adenauerplatz
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