Mobilitätswende jetzt!

3.000 Menschen demonstrieren gegen Ausbau des Südschnellwegs

Hannover, 06.06.2021 - mit einer Fahrraddemo über den Südschnellweg haben knapp 3.000 Menschen heute Mittag deutlich gemacht, dass sie die geplante Naturzerstörung und die anhaltende Missachtung bestehender Klimaabkommen nicht widerstandslos hinnehmen. Oberbürgermeister Belit Onay begrüßt den Protest.

Bevor der etwa zwei Kilometer lange corona-konforme Fahrradzug vom Trammplatz aus die Hildesheimer Straße, den Südschnellweg, den Landwehrkreisel und den Waterlooplatz eroberte, fand dort um elf Uhr die Auftaktkundgebung statt. Redner*innen und Musiker*innen verschiedenster Gruppen und Bewegungen zeigten, dass der Widerstand gegen das Ausbauvorhaben des Südschnellwegs in Hannover breit aufgestellt ist. Dieser Widerstand ist Teil eines bundesweiten Aktionswochenendes, zu dem fast 70 Proteste unter dem Motto #MobilitätswendeJetzt stattfinden.

Stoppschild fürs Bundesverkehrsministerium

In Hannover geht es um den Südschnellweg, der nach aktuellen Plänen nicht nur in der bestehenden Breite saniert werden soll, wie es nötig wäre, sondern für mehr und für schnelleren Autoverkehr ausgebaut werden soll. Gina Burgdorf von den Fridays for Future übt in ihrer Rede auf dem Trammplatz scharfe Kritik am Bund: Die Planungen von Andreas Scheuer und seinem Bundesverkehrsministeriums zerstörten Natur, ignorierten komplett den Radverkehr und förderten klimaschädliche Mobilität – im klaren Widerspruch zum Bekenntnis von Stadt und Region Hannover zur Verkehrswende und zum Erhalt der Artenvielfalt. Sie weist darauf hin, dass der Verkehrssektor in Deutschland der einzige ist, in dem es seit 1990 nicht gelungen ist, die Emissionen zu senken.

Ulrike Wach von Extinction Rebellion stellt fest: „Den Ausbau von Schnellstraßen können wir uns schlicht nicht mehr leisten – auch nicht finanziell, denn dieses Geld muss in zukunftsfähige Mobilität fließen.“ Sie fordert angesichts der Herausforderung, das 1,5-Grad-Limit nicht zu reißen, dass ab sofort jede verkehrspolitische Maßnahme eine drastische CO2-Reduktion bewirken müsse.

Vom Südschnellweg zur Südautobahn?

Andrea Block von den Parents4Future hat sich den Bundesverkehrswegeplan genauer angesehen und das Gegenteil darin gefunden: Neben den Südschnellweg-Plänen sollen noch drei weitere, große Streckenabschnitte der B65 massiv ausgebaut werden. Sie fürchtet, dass die B65 zwischen Bad Nenndorf und Peine zu einer „Südautobahn“ ausgebaut werden soll, die die A2 entlastet. Als Landwirtin im Umland sei sie selbst bereits jetzt von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen durch erschwerte Eigenwasserversorgung, Dürre, Baumsterben. Sie appelliert eindringlich auch an die Landwirte, gegen die aktuellen Pläne aktiv zu werden.

Eine Grußbotschaft verdeutlicht den globalen Zusammenhang von Klimagerechtigkeit; sie berichtet von den lebensgefährlichen Kämpfen indigener Gemeinschaften etwa in Mexiko gegen zerstörerische Infrastruktur-Großprojekte, an denen auch deutsche Unternehmen beteiligt sind.

Helene Grenzebach vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Region Hannover fordert mehr Platz fürs Rad statt einen Südschnellwegausbau. Sie ist wütend, dass die Situation für Fahrradfahrer*innen durch die Baumaßnahme in alle Richtungen schlechter würde: „Ich komme mit dem Rad nicht mehr über den Südschnellweg drüber, wenn ich in die Stadt will. Und ein Radweg entlang des Südschnellwegs, der anfangs geplant war, wurde einfach wieder gestrichen. Die fadenscheinigen Argumente: Zu teuer. Und es gibt schon Radwege. Wir werden keine Ruhe geben.“

Oberbürgermeister Belit Onay unterstützte die Forderungen der Teilnehmer*innen und machte deutlich, dass die Stadt eine Verkehrswende braucht, wenn sie bis spätestens 2035 - wie vom Rat beschlossen - klimaneutral werden will. Der geplante Südschnellwegausbau stehe diesem Ziel entgegen.

Dass es neben dem Widerstand gegen die klima- und umweltpolitisch verheerenden Pläne noch einen anderen Grund gibt, sich der Demo anzuschließen, macht Dete Rehbock, Velo-City-Night-Initiator deutlich: Es gehe ums „Radfahren, weil es die schönste Form der Mobilität ist. Wir erobern die Stadt.“

Hintergrund:
Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts bestätigt: es braucht entschlosseneres Handeln fürs Klima. Der geplante Ausbau des Südschnellwegs durch die Leinemasch ist damit nicht vereinbar. Die Fahrraddemo über den Südschnellweg ist Ausdruck des gewachsenen lokalen Protests gegen den Ausbau und stellt diesen gleichzeitig in einer Reihe mit ähnlich unsinnigen Ausbauvorhaben des Bundesverkehrsministeriums.

Die Demonstration ist Teil des bundesweiten Aktionswochenendes vom 4. bis 6. Juni, an dem bundesweit fast 70 Proteste unter dem Motto #MobilitätswendeJetzt stattfinden. Die Initiatoren schließen sich in ihrer Forderung nach einem sofortigen Moratorium für alle Planungen und Ausbauvorhaben von Autobahnen und Autostraßen zusammen. https://wald-statt-asphalt.net/mobilitaetswendejetzt/

Die Petition gegen den Ausbau des Südschnellwegs haben bereits über 11.000 Menschen unterzeichnet. Link zur Online-Petition: https://weact.campact.de/petitions/keine-autobahn-durch-die-leinemasch

Für Rückfragen:
David Egerton (Extinction Rebellion): 01577 3896176
Arne Käthner (HannovAIR Connection): 0176 96449668
Annette Teuber: (ADFC Region Hannover): 0157 52653064

Bündnis gegen den Ausbau des Südschnellwegs
ADFC Region Hannover
ADFC Stadt Hannover
BUND Region Hannover
Extinction Rebellion Hannover
FridaysForFuture Hannover
Greenpeace Hannover
HannovAIR Connection
Hannover summt!
NABU Hannover
Naturschutzjugend NAJU Niedersachsen e.V.
ParentsForFuture Hannover und Region
PsychologistsForFuture Hannover
PlatzDa!
Transition Town Hannover
VCD Hannover
VeloCityNight

Fotos auf dieser Seite: Hauke Gerdes, Corinna John, Kolja Schwab, Julia Förster