"Riesenbiene fliegt neben Landwirtschaftsministerium - Aktivisten prangern Untätigkeit gegen Artensterben an"

Geschrieben von XR München am 18.05.2026

München, 18.05.2026

Wer heute Morgen durch die Ludwigstraße ging, wunderte sich. Ein Dodo sitzt beim Siegestor, eine Biene hängt vor der Landwirtschaftsministerium, ein Eisbär im Eingang zum Hofgarten. "Was sind das hier? Piñatas?", fragt ein Passant.

Ein Blick auf die Schilder um die Tierhälse verrät: Sie sind ein Mahnmal für das aktuelle Massenaussterben der Arten.

„Lass uns nicht hängen", steht am Eisbären. „Wir sterben in Massen", an der Biene. Und am Dodo: „Mich gibt's schon nicht mehr."

Aktivist*innen von "Extinction Rebellion" (zu deutsch "Aufstand gegen das Aussterben") sind für das groteske Bild verantwortlich. Mit dieser ungenehmigten Aktion wollen sie die Aufmerksamkeit auf die akute Katastrophe des Artensterbens lenken, die Untätigkeit der bayerischen Regierung (1) anprangern, welche sich verpflichtet hatte das Volksbegehren zur Schutz der Artenvielfalt (Rettet die Bienen) umzusetzen. Ausserdem wollen sie damit die  Bevölkerung einladen zu handeln.

"Wir fordern die bayerische Regierung auf, sofort die 23 Ziele einzuhalten, zu denen sie sich 2022 zum Weltbiodiversitätskongress selbst verpflichtet hat! Wir fordern strengere Naturschutzgesetze und Schutzgebiete, das Verbot von Pestiziden, Insektiziden und Massentierhaltung in Bayern", so Martin Ulm, stellvertretend für Extinction Rebellion München. "Und wir erwarten eine klare Kommunikation der Schritte, die unternommen werden, um das Artensterben zu bekämpfen, sowie die Einbindung der Öffentlichkeit und Wissenschaftler:innen in den Entscheidungsprozess."

Die dringende Rethorik ist gerechtfertigt: Tatsächlich verlieren wir jede Stunde mindestens eine Art. (2) Zwei Millionen Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten aussterben. (3)

Dieses Aussterben passiert hundert- bis tausendfach schneller als im natürlichen Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre – mit weiter steigender Tendenz.(4) Forschende sprechen inzwischen nicht mehr nur vom Arten-, sondern vom Gattungssterben: Ganze Verwandtschaftsgruppen verschwinden. (5)​​​​​​​ Gründe für das derzeitige Massenaussterben sind die Ausbeutung und Zerstörung von Ökosystemen durch Landwirtschaft und Flächenversiegelung, sowie Pestizide, Verschmutzung, die Klimakrise und invasiven Arten. (6) Fischfang und Massentierhaltung tragen massiv zu dieser Situation bei. (7)

In Deutschland ist die Biomasse der Fluginsekten regional in nur 30 Jahren bereits um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Rund 40 Prozent der Tagfalterarten sind bedroht, ein Drittel der Ackerwildkräuter schwindet, und fast drei Viertel der Vogelarten auf dem Land gelten als gefährdet oder sind bereits verschwunden. (8)​​​​​​​

Extinction Rebellion kritisiert, dass die bayerische Regierung trotz klarer wissenschaftlicher Warnungen (9) und zunehmender öffentlicher Besorgnis weiterhin kaum etwas unternimmt, um unsere gemeinsame Lebensgrundlage zu erhalten. 

Doch die aufgeknüpften Tiere seien auch ein Appell an die Zivilbevölkerung: sie nicht "hängen zu lassen", sondern gemeinsam einzutreten für die biologische Vielfalt, von der alle Lebewesen - auch wir Menschen - gleichermaßen abhängig sind. Extinction Rebellion ruft dazu auf, gegen das Artensterben laut zu werden: "Denn diese Krise ist menschgemacht - was auch heißt, dass wir alle, Menschen, sie beenden können! Wir haben es in der Hand", so Ulm.

In diesem Sinne veranstaltet die Gruppe diese Woche Freitag einen angemeldeten, öffentlichen Protest- und Trauerzug: am 22.05., dem "Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt", ab 17:00 Uhr am Gärtnerplatz und 18:30 mit Reden und Gesang am Odeonsplatz. 

Über Extinction Rebellion

Extinction Rebellion ist eine internationale, dezentrale und gewaltfreie Bewegung, die sich gegen das Massenaussterben von Arten und die ökologischen Krisen unserer Zeit einsetzt. Durch gewaltfreie, direkte Aktionen fordert die Bewegung Regierungen weltweit zum sofortigen Handeln auf.

Quellen

(1) https://www.merkur.de/bayern/vogelschutz-wir-merken-gegenwind-welttag-des-artenschutzes-lbv-92856635.html

(2) So Biologe Josef Settele im persönlichen Schriftkontakt mit Extinction Rebellion, am 22.08.2023.

(3) "Zwei Millionen Spezies gefährdet: Mit den Arten stirbt auch die Menschheit" - n-tv.de https://www.n-tv.de/wissen/Mit-den-Arten-stirbt-auch-die-Menschheit-article24517849.html

(4) Robert H. Cowie, Philippe Bouchet, Benoît Fontaine: The Sixth Mass Extinction: fact, fiction or speculation? In: Biological Reviews. 2022, S. 651, 656, doi:10.1111/brv.12816 

(5) Gerardo Ceballos, Paul R. Ehrlich ​​​​​​​Mutilation of the tree of life via mass extinction of animal genera​​​​​​​

(6) https://www.bundesumweltministerium.de/themen/artenschutz/nationaler-artenschutz/ursachen-der-bedrohung

(7) 

https://www.tagesschau.de/tagesschau_20_uhr/video-1385514.html

https://www.bund.net/meere/fischerei/

(8) https://www.spiegel.de/spiegel/artensterben-in-deutschland-als-gaebe-es-kein-morgen-a-1168740.html

(9) https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/gefaehrdung-der-biodiversitaet

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