Das Kohle -ausstiegsgesetz

Geschrieben von XR München am 24.07.2020


Jetzt ist es raus, das Kohleausstiegsgesetz. Es folgt einem genauso zynischem Klimapaket. Und ich, ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich fühle mich so ohnmächtig und so verwundbar, wie schon lange nicht mehr.
Eigentlich bin ich eine Frau, die mit beiden Beinen stark verwurzelt in der Welt steht, die weiß, was sie will und ihren Träumen nachgeht. Ich studiere genau das, was ich will.
Lehramt. Ich werde Lehrerin. Diese Berufung habe ich gewählt, weil ich junge Menschen handlungsfähig machen will, weil ich ihnen Perspektive geben will. Ich möchte ihnen helfen, ihre Träume zu erreichen und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Ich will diejenigen emanzipieren, die Benachteiligungen erfahren, so wie Erwachsene mir geholfen haben, über meine Benachteiligungen hinaus zu wachsen.
Doch nun ist da dieses Kohleausstiegsgesetz, von Aktivist*innen auch als Kohleverlängerungsgesetz bezeichnet oder vielleicht sollten wir es eher Klimaschutzausstiegsgesetz nennen. Ich weiß es nicht, der Name ist mir eigentlich auch egal. Irgendwie ist jetzt alles egal. Denn dieses Gesetz lässt mich so verzweifeln, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich will. Lehrerin zu werden, erscheint mir jetzt absurd, fast schon wie eine Folter. Was soll ich denn tun? Meinen Schüler*innen in die Augen sehen und erklären, dass sie all ihre Träume begraben können? Dass sie ihr Potenzial niemals ausschöpfen werden können, weil es die Lebensumstände nicht erlauben werden? Ihnen erklären, dass sie jetzt die Zeit, in der es noch sicher ist,so gut wie möglich auskosten sollen? Aber was ist dann noch der Sinn, in die Schule zu gehen?

Bildung ist so ein hohes Gut für mich. Bildung war mein Weg, mich zu emanzipieren und ich wünsche mir das ebenso für so viele andere Menschen. Aber was ist das für eine Gesellschaft, die in der Schule die Heldentaten von Mahatma Gandhi, Rosa Parks, Nelson Mandela oder Malala Yousafzai zelebriert, während wir in den Zeitungen als Klima-Chaoten bezeichnet, auf der Straße angepöbelt, im Internet mit Hass zugeschüttet und in den Schulen bestraft werden? Was ist der Wert von Bildung, wenn wir wissen, dass die Kohle unsere Lebensgrundlage zerstört, Wissenschaftler*innen und Kohlekommissionen die erschütternde Realität offenlegen und die Entscheidungstragenden das trotzdem nicht kümmert. Wenn sie so entscheiden, dass wir keine Chance mehr auf ein 1,5 Grad Ziel haben. Ein Ziel, das sie selbst unterschrieben haben. Jedes kleine Kind in der Trotzphase weist mehr Vernunft auf, wenn man ihm etwas erklärt.

Und ich kann es nicht verdrängen, ich muss an meine drei jüngsten Geschwister denken und es tut so weh. Levi, Anna und Paula. Ich mach das hier für euch. Paula ist gerade mal 5 Jahre alt. Und es bricht mir das Herz. Was werden sie noch in ihrem Leben erleben müssen, weil irgendwelche alten, ignoranten Politiker*innen nicht über den Tellerrand ihrer Generation blicken? Und ich will ja gar nicht so tun. Es geht mir nicht nur um meine Geschwister, ich bin hier nicht aus reiner Nächstenliebe zu ihnen, oder den bereits Betroffenen wie etwa Indigenen oder Menschen im globalen Süden. Nein, ich bin hier auch für mich. Denn auch ich habe verdammt noch mal ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, auch ich habe ein Recht auf die Entfaltung meiner Persönlichkeit! Zum Schutz der Menschenwürde – unser erster und damit wichtigster Grundrechtsartikel – gehört das Recht auf Existenzsicherung. Mit diesem Kompromiss hebelt die Regierung meine Grundrechte aus.

Aber ich habe noch ein Grundrecht – eins das ich wahrnehmen werde. Artikel 20, Absatz 4: Alle Deutschen haben das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Und wir werden weiter auf die Straße gehen, wir werden Ministerien blockieren, wir werden laut und ungemütlich sein und euch zeigen: Wir wollen Leben und wir haben ein Recht auf unser Leben. Wir haben ein Recht darauf, auch in 50 Jahren, selbst wenn ihr dann nicht mehr da seid.

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Lisa Poettinger