Verständnisfragen

Wer wir sind

Extinction Rebellion (XR) ist eine internationale gesellschaftspolitische Bewegung. Unser Ziel ist es, den für das Klima und für die Ökosysteme nötigen umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen. Hierfür nutzen wir unter anderem das Mittel des friedlichen und gewaltfreien zivilen Ungehorsams.

Wir stellen drei Forderungen an die Politik und handeln auf Grundlage von 10 Prinzipien.

Forderungen: https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/unsere-forderungen/

Prinzipien: https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/

Struktur 

Da wir eine dezentrale Organisation sind, gilt, dass jede:r, der:die unsere Forderungen durchsetzen möchte und dabei nach unseren 10 Prinzipien handelt, im Namen von Extinction Rebellion in Aktion treten darf. Für unsere Aktionen in Deutschland haben wir außerdem einen unseren Prinzipien entsprechenden Aktionskonsens aufgestellt:

https://extinctionrebellion.de/mitmachen/rebellionskonsens/

Aus unserer dezentralen Struktur ergibt sich unter anderem auch eine klare Trennung der Organisationen Extinction Rebellion UK und Extinction Rebellion Deutschland. Wir teilen zwar die grundsätzlichen Forderungen und Werte, agieren aber unabhänging voneinander. Insbesondere werden wir von niemandem gesteuert - weder von anderen Länder- oder Ortsgruppen noch von irgendwelchen "Anführern" oder Unternehmen.

Aktionen

Teil der Strategie von XR ist es, dass wir mit unserem Namen für die Aktionen einstehen, die wir durchführen, und die Konsequenzen bewusst in Kauf nehmen. Welche Konsequenzen das sein könnten, ist meistens vorhersehbar, und Aktivist:innen werden darüber aufgeklärt und dazu angehalten, nur bei solchen Aktionen mitzumachen, die ihrer persönlichen Risiko- und Opferbereitschaft entsprechen. Die Bandbreite von XR-Aktionen reicht von völlig legal und angemeldet bis zu spektakulären Aktionen zivilen Ungehorsams, bei denen mit ernsten rechtlichen Konsequenzen gerechnet werden kann. Die Konsequenzen einer Aktion müssen nicht von einzelnen Aktivist:innen allein getragen werden, denn es gibt ein Legal-Team, das bei der Bewältigung rechtlicher Konsequenzen hilft, und auch Bußgelder müssen nicht allein getragen werden.  

Wir empfehlen Aktivist:innen selbstverständlich, nicht mit der Polizei über den eigenen Aktivismus zu sprechen. Hierzu ein Zitat aus unserer Rechtshilfebroschüre [1] (S. 30): „Alles kann gegen dich und andere verwendet werden. Es ist dein Recht, die Aussage zu verweigern. Lass dich auch nicht auf vermeintlich harmlose Gespräche ein [...] Sag auch nicht, was du nicht getan hast. Unterschreib nichts, verweigere alle Maßnahmen und leg einen Widerspruch ein.“  

Die Behauptung, XR würde Repressionen glorifizieren, können wir aus unserer Erfahrung nicht bestätigen. Die Sichtweise des Gefängnisses als "spannenden Ort" für "spirituelle Erfahrungen" scheint sich auf Erfahrungsberichte einzelner Rebell:innen von XR UK zu beziehen. Im Umfeld von XR Deutschland haben wir solche Aussagen noch nie gehört.

Verhältnis zur Polizei

Uns ist wichtig, zwischen den Individuen und der Institution Polizei zu unterscheiden. Wir kritisieren eine Institution, innerhalb derer nachweislich rechte Strukturen existieren und die regelmäßig durch exzessive Gewaltanwendung auffällt. Darüber hinaus kritisieren wir die Polizei in ihrer Rolle als Repressionsorgan einer Machtelite, die über Lobbytätigkeit die politischen Amtsträger für ihre Interessen vereinnahmt. Dies ist für uns jedoch kein Grund, einzelne Polizist:innen zu verurteilen und ihnen böse Absichten zu unterstellen. Wir sehen Polizist:innen als Menschen, deren Aufgaben es ist, unsere Gesellschaft vor Verbrechen und Gewalt zu schützen, und erkennen sie in dieser Funktion dankbar an.

Gewaltfreiheit

Der zentrale Grundsatz bei unseren Aktionen ist die strikte Gewaltfreiheit. Wir wehren uns nicht dagegen, von der Polizei weggetragen zu werden, halten uns nicht fest und haken uns nicht ein. Unser Widerstand besteht darin, dass wir maximal alle Muskeln locker lassen und bei der Amtshandlung nicht in irgendeiner Weise mithelfen. Wer eine Blockade länger halten will, kettet oder klebt sich an – dagegen hilft kein Gezerre und kein Schlagstock: solange diese Person an Ort und Stelle fixiert ist, wird sie sich nicht wegbewegen. Damit ist jeder Gewalteinsatz völlig sinnlos und überflüssig.  

Die Verpflichtung zur Gewaltfreiheit beziehen wir dabei auch auf unsere Kommunikation. Wir versuchen, niemanden zu beleidigen und respektvoll mit unseren Mitmenschen, inklusive der Polizei, umzugehen.

Solidarität

Wir sind uns bewusst, dass die Möglichkeit des gewaltfreien Widerstands ein Privileg darstellt, das nicht allen Menschen zur Verfügung steht. Wir stehen solidarisch zu anderen Gruppen der Klimagerechtigkeitsbewegung - auch zu solchen, die andere Methoden des Protests anwenden als wir.

Uns ist wichtig, dass jede Person zu jedem Zeitpunkt selbst entscheiden kann, wie und ob sie sich während einer Aktion beteiligen möchte. Vor allem gilt auch, dass jede:r eine Aktion verlassen kann, wenn mensch sich zwischendrin nicht mehr wohlfühlt oder unseren Aktionskonsens verletzt sieht. Zur Situation in Hamburg gibt es eine Erklärung seitens XR Hamburg: https://twitter.com/xrebellion_hh/status/1175404769059450880

Dieser Thread macht sehr gut deutlich, inwiefern unser Aktionskonsens auf die Praxis anwendbar ist. Wir sehen die Entscheidung der Aktivisti, die Aktion zu verlassen, als legitim an, begrüßen allerdings auch die Entschuldigung für den anschließenden unnötigen Tweet.

Positionierung als "links" oder "antikapitalistisch"

Da wir der Meinung sind, dass die nötige Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft von einer breiten Mehrheit getragen werden muss, versuchen wir, bei XR ein breites Spektrum der Gesellschaft zu erreichen. Dazu hält sich die Bewegung möglichst fern von politischen Kategorisierungen, in Bezug auf sich selbst sowie nach außen.

Es wäre falsch, zu sagen, XR grenze sich von links ab. Bei uns sind viele Menschen aus dem linken Spektrum aktiv. XR ist keine linke Bewegung, das "Linke" ist aber Teil von ihr. Die Menschen bei XR haben viele verschiedene politische Ideale und Weltanschauungen.

Die drei Forderungen münden in einer grundlegenden Systemkritik. Sie stellen das derzeitige System in Frage. Unter Anerkennung der Verfassung fordern wir eine Erweiterung des demokratischen Systems in Form einer Bürger:innenversammlung: https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/unsere-forderungen/bv/

XR hat die strategische Entscheidung getroffen, keine konkreten Vorschläge zu unterbreiten, wie die Klima- und Umweltkrise zu lösen ist. Es gibt seit Jahrzehnten genügend Lösungen und Ansätze, wie den allgegenwärtigen Krisen begegnet werden kann. Unser Schwerpunkt liegt hingegen auf der Schaffung von Entscheidungssystemen wie der Bürger:innenversammlung. Wir beschränken uns bewusst auf unsere gemeinsame Basis der drei Forderungen und zehn Werte, um unseren Fokus aufrechtzuerhalten und uns nicht in ideologischen Debatten selbst aufzureiben.

Rassismus und Sexismus

XR macht es sich, gemäß des 6. Prinzips ("Alle sind willkommen – so wie sie sind"), zur Aufgabe, für alle Individuen und Gruppen ein verträgliches, geschütztes und angstfreies Umfeld zu schaffen. Wer dieses Prinzip nicht respektiert und nicht bereit ist, sich einem fortwährenden Reflexionsprozess zu öffnen (5. Prinzip), kann nicht Teil von Extinction Rebellion sein. In der Ausführung unseres 6. Prinzips heißt es: "Alle Formen der Unterdrückung, menschenverachtende Einstellungen, Diskriminierung gegen Menschengruppen lehnen wir strikt ab – sie haben keinen Platz bei XR. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, stehen wir strikt gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Sexismus, Homophobie, Ableismus, Klassendiskriminierung und Altersvorurteile."  

Verstöße gegen dieses Prinzip werden von uns nicht toleriert. Aus diesem Grund haben sich sowohl XR Deutschland als auch XR UK von Roger Hallam, einem der Mitbegründer von XR, distanziert [2] [3]. Auch XR Aachen hat sich dieser Distanzierung angeschlossen [4].

Verschwörungmythen

Nicht nur in Bezug auf das Klima hören wir auf den wissenschaftlichen Konsens. Wir stellen uns entschieden gegen das Erstarken von Verschwörungmythen wie aktuell im Zuge der Covid-19-Pandemie.

Quellen

[1] https://extinctionrebellion.de/documents/140/Tipps_und_Hinweise_zu_XR_Aktionen_aus_rechtlicher_Sicht_Nov.2019.pdf

[2] https://extinctionrebellion.de/blog/extinction-rebellion-deutschland-verurteilt-instrumentalisierung-des-holocaust-und-verhalten-von-roger-hallam/

[3] https://rebellion.earth/2019/11/20/extinction-rebellion-uks-response-to-roger-hallams-comments-in-die-zeit/

[4] https://twitter.com/AachenRebellion/status/1197167244796743680