Samstag, 20. Juni

Berlin

"Kurswechsel jetzt! Volle Solidarität voraus" ("Raven kannst Du später!") - Trauermarsch und Spreedemo mit Booten und Fahrrädern

Mit einem Trauermarsch beginnt der Tag in Berlin: einem Trauerzug für unsere Erde, die in Flammen steht. Angeführt wird die Prozession deshalb auch von einer eindrucksvollen Plastik unseres brennenden Planeten (mit 2 Metern Durchmesser). 

Der Zug startete um halb zehn im Friedrichshainer Stedingerweg und bewegte sich südwärts über Landsberger, Petersburger, Warschauer und Revaler Straße, über die Elsenbrücke und zuletzt durch den Treptower Park. Kurz nach 12 Uhr erreichten die Trauernden die Anlegestelle vor der Insel der Jugend.

Allmählich trafen dort auch immer mehr Fahrrad-Aktivist:innen ein, die startklar waren für die anstehende Fahraddemo. Die Polizist:innen, die den Marsch begleiteten, verabschiedeten sich freundlich und die Aktivist:innen bedankten sich bei ihnen.

Es wurde immer windiger und begann leicht zu regnen, doch die Atmosphäre war heiter und entspannt und die die Musik ganz ausgezeichnet. Eine bunte Mischung freundlicher Menschen war hier versammelt, die diese kleine Auszeit vor der Abfahrt nutzten, um sich auszutauschen, einige tanzten. Und manche begegneten hier erstmals Mitstreiter:innen, mit denen sie zuvor nur digital kommuniziert hatten. Um 13 Uhr setzten sich die Holz- und Schlauchboote spreeabwärts in Bewegung - mit der Botschaft: „Kurswechel jetzt! Volle Solidarität voraus!“. Mit dabei waren auch Diem 25, Klimaneustart Berlin, Mediterranea, Generationen Stiftung und noch viele weitere Gruppen.

Die Boote unterquerten Elsenbrücke, Oberbaumbrücke, Schillingbrücke und Jannowitzbrücke. Zur gleichen Zeit starteten auch die Fahrradfahrer:innen mit ihrer Demonstration, deren Strecke parallel zur Wasserdemo verlief.

Während der Fahrt funkten die Aktivist:innen vom Wasser aus Redebeiträgen, Statements und Grußbotschaften. An den einzelnen Stationen fanden Kundgebungen zu verschiedenen Themen statt. 

"Solidarität mit der Erde" (#BailoutThePlanet) war das Motto an der Oberbaumbrücke: Es ist die Zeit für ein Umdenken in unserer Gesellschaft. Viel zu oft haben wir bisher auf grenzenloses Wachstum gesetzt und damit massive soziale Ungleichheit, Menschenverachtung und Zerstörung der Natur gefördert.

Die Kundgebung an der Schillingbrücke drehte sich um das Thema "Solidarität mit der Stadt" (#BailoutTheCity), an der Jannowitzbrücke schließlich ging es um die "Solidarität mit den Menschen" (#BailoutThePeople).

Kurz nach 16 Uhr legten die Boote am Rolandufer für die Abschlusskundgebung mit Gästen und anderen Akteur:innen an.

Die Wasserdemo setzte auf thematische Vielfalt als Stärke: Ob Menschenrechte, Klimagerechtigkeit, Freiräume f. Kultur, offene Grenzen, Seenotrettung oder Widerstand gegen Rechts - wir haben ein Zeichen gesetzt, dass wir gemeinsam mit Solidarität mehr erreichen können! Die Chance ist greifbar, den Restart unserer Gesellschaft nach der Coronakrise als Aufbruch für einen Kurswechsel zu nutzen. Wir vereinen unsere Forderungen und geben ihnen auf Grundlage von Solidarität eine gemeinsame Plattform!

Bremen

In Bremen wurde mit einem Swarming deutlich gemacht: Die Coronakrise geht vorbei, aber Klimakrise und Massenaussterben werden unser Leben noch Jahrhunderte prägen. Wie gravierend es wird, entscheidet sich heute und hier. XR Bremen hat Autofahrende eingeladen, einmal innezuhalten und sich einen Moment Zeit für Besinnung zu nehmen.

Bonn

Um 14 Uhr startete in Bonn die Soli-Aktion von und mit "Alle Dörfer bleiben". Bonn ist ab heute XR-Bundesstadt. Heute Nacht haben Rebell:innen den alten Deutschen Bundestag und Bundesrat, sowie weitere historisch bedeutende Orte symbolisch übernommen. Die Zeit läuft ab, daher handelt jetzt!

Göttingen

Dem friedlichen Protest mit einer Menschenkette rund um das Alte Rathaus für Klimaschutz haben sich viele spontan angeschlossen.

Demokratie Update

Bürger:innenversammlung: Klimagerechtigkeit und soziale Ungleichheit (#DemokratieUpdate)

In ganz Deutschland fanden offene Versammlungen statt. Wir haben partizipative Demokratie selbst in die Hand genommen und im Kleinen ausgelebt, was im Großen überfällig ist bzw. nur halbherzig umgesetzt wird – unsere Pressemitteilung zum kürzlich angekündigten Bürgerrat.

Die Versammlungen fanden in Düsseldorf, Heidelberg, Potsdam, Siegen und Aachen statt. Mit unseren kritisierenden Plakaten haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass die aktuelle Politik uns nicht vor dem ökologischen Kollaps bewahrt. In einigen Städten sind gestrandete Boote aufgetaucht, die gezeigt haben, dass wir dringend umsteuern müssen, wenn wir die Klimakrise bewältigen möchten. In unseren offenen Versammlungen war jede:r dazu eingeladen seine/ ihre Ideen dazu einzubringen und mehr Demokratie zu leben. 

Wir sagen der Regierung: Wir brauchen ein Demokratie-Update! Sie muss eine Bürger:innenversammlung  einberufen, die tatsächlich über Maßnahmen zur Verhinderung des ökologischen Kollaps und mehr Klimagerechtigkeit berät. 

Heidelberg

Auch in Heidelberg wurde die Möglichkeit geschaffen, Bürgerbeteiligung zu leben: In einer offenen Versammlung entwickelten 30 Menschen lokale Lösungen für die globale Klimakrise. So konnten sie erfahren, wie eine Bürger:innen-Versammlung funktioniert. Zwecks Infektionsschutz wurde in 5er-Gruppen, mit Abstand und Maske diskutiert.

Es wurden Ideen gesammelt zum Thema: "Was müssen wir lokal umsetzen, um der Klimakrise zu begegnen?" Viel Zustimmung erhielten die Vorschläge der Mobilitätswende: nachhaltige Mobilität muss Vorrang haben und ÖPNV günstiger werden!

Lüneburg

Die Offene Versammlung in Lüneburg fand um 17:00 am Markplatz statt. Dazu eingeladen hatten in der Nacht zum Samstag erstaunlich ehrliche Wahlplakate aller demokratischen Parteien, die die verfehlte Klimapolitik und Lobbyismus thematisierten.

Potsdam

Um 13:30 wurde auf dem Alten Markt gemeinsam über das Thema "Mobilität in der Stadt Potsdam" diskutiert. Es wurde gezeigt, wie mehr politische Teilhabe von Bürger:innen möglich sein kann und Ideen und Wünsche für eine gemeinsame Zukunft der Mobilität ausgetauscht. Das Thema Mobilität stößt häufig auf sehr unterschiedliche Ansichten. In der Politik ist dieses Thema eng verknüpft mit Lobbyismus, Entscheidungsprozesse sind langsam und zäh. Viele Bürger:innen fühlen sich von Politiker:innen nicht gesehen und repräsentiert. Daher wurde in der Rolle als Bürger:innen miteinander darüber diskutiert - ohne Lobbyist:innen oder Agenda.

Alle Ansichten und Standpunkte zum Thema Mobilität waren willkommen - ob Teilnehmer:innen dafür waren, dass die Stadt besser für Autos, Fahrräder oder die öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut wird, dass alles bleibt, wie es ist, oder dass es grundlegende Veränderungen gibt. Die Meinungsvielfalt in Potsdam zum Thema Mobilität sollte im Kleinen am abgebildet werden um so gemeinsam zu überlegen, ob es Lösungen gibt, mit denen viele oder sogar alle gut zurecht kommen. Ein Fokus lag auf dem gegenseitigen Zuhören und Verstehen lernen, welche Wünsche und Erfahrungen hinter den verschiedenen Positionen stehen.

Düsseldorf

Um zwölf Uhr veranstaltete XR NRW auf dem Corneliusplatz eine Offene Versammlung. Eröffnet wurde sie mit einer Performance der Red Rebels.

Das Resümee: Unsere Rebell:innen Laura und Lea haben an der Offenen Versammlung teilgenommen. Thema der zweiten Kleingruppenphase war: „Welche Ideen haben wir, um unsere Visionen Wirklichkeit werden zu lassen?“.


Offene Versammlungen basieren auf drei Säulen

  • Radikale Inklusivität: Alle Menschen sind willkommen (aber nicht alle Verhaltensweisen). Das heißt, dass OVs möglichst zugänglich sind. Keine Einzelstimmen sollen den Prozess dominieren. 
  • Aktives Zuhören: Statt wie in gängigen Gesprächen unsere Argumente vorzuformulieren, schenken wir der Person, die spricht, unsere volle Aufmerksamkeit. So können wir aufeinander aufbauen und voneinander wirklich lernen.
  • Vertrauen in den Prozess: Ohne zu wissen, was als nächstes kommt, vertrauen wir auf die Weisheit der Gruppe. 

Medien Echo


Tagesspiegel / 20.06.2020

Berliner Umweltaktivisten protestieren mit Fahrrädern und Booten

Aktivisten der Extinction Rebellion versammelten sich am Samstag mit Rädern auf der Oberbaumbrücke. Auch einige Boote der Gruppe waren im Einsatz.


Siegener Zeitung / 20.06.2020

Politik neu leben

Extinction Rebellion: Mahnwache am Kornmarkt


Süddeutsche Zeitung (Reuters) / 20.06.2020

Video: Extinction Rebellion: In der Krise bemüht

Die Corona-Krise hat die Umweltorganisation schwer getroffen. Nun will sich das Bündnis wieder Gehör verschaffen.


Märkische Allgemeine Zeitung / 20.06.2020

Lastenräder, E-Bikes, Schnellwege: So sehen Potsdamer die Mobilität der Zukunft

Wenn es nach den Ergebnissen der offenen Versammlung von Extinction Rebellion geht, braucht Potsdam mehr Lastenräder und Radschnellwege. Das ist der Verkehr der Zukunft, über den auf dem Alten Markt diskutiert wurde – Tag sechs der Aktionswoche „Rebellion Wave“.


rbb24.de / 20.06.2020

Rund 40 Demos für das Wochenende in Berlin angemeldet

Für dieses Wochenende werden in der Hauptstadt 40 Demos erwartet. Darunter eine Wasser-Demo der Umweltorganisationen "Extinction Rebellion", die ihre bundesweite Aktionswoche beendet. Daneben protestieren Studierende, die Corona-Hilfen einfordern.